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All Is Lost: Redfords ganz persönlicher Segelschein

Ein einzelner Mensch, verloren im Kampf gegen die Naturgewalt: Robert Redford hatte es schon lange gereizt, einen solchen Moment des demütigen Untergangs zu inszenieren. Mit "All Is Lost" ist es ihm nun gelungen. Schauspielerisch überzeugt Redford, als Einhandsegler macht er laut Fachleuten keine gute Figur.

Die kammerspielartige Situation eines in Seenot geratenen Mannes auf ein havariertes Boot rund 1.700 Seemeilen westlich von Sumatra zu verlegen, ist eine dramaturgisch durchaus spannende Idee: Redfords Einmaster „Virginia Lean“ wird von einem herrenlos treibenden Container voller Kinderschuhe leck geschlagen, und fortan zieht der ganz und gar auf sich selbst gestellte Skipper vermeintlich alle Register seglerischen Könnens. Warum er dabei lange Zeit ohne Rettungsweste operiert und viel zu lange wartet, ehe er das Loch in der Bordwand abdichtet, verwundert ein wenig; warum er das schließlich sinkende Boot nicht anzündet (wie er es später versehentlich mit seinem Rettungsschlauchboot macht), um vielleicht doch bemerkt zu werden im weiten Indischen Ozean, mag der sich steigernden Pechsträhnen-Geschichte geschuldet sein – das aber zählt eher zu den Stärken des Redford'schen Ein-Hand-Dramas: Der 77-jährige spielte die Outdoor-Szenen in Kalifornien, Mexiko und in der Nähe der Bahamas allesamt selbst. Es gelingt ihm dabei, den Weg eines Mannes zu zeigen, der anfänglich alles unter Kontrolle zu haben glaubt, dem dann aber der einsame Weg bis zur Resignation, ja wenn man so will, bis zur Gottverlassenheit bevorsteht – immer neue Rückschläge werden diesen armen Menschen heimsuchen, und der Film scheint so etwas wie Schicksalsträchtigkeit suggerieren und abbilden zu wollen. Stürme, das Versagen technischer Hilfsmittel, achtlos vorüberziehende Containerschiffe ohne sichtbare Besatzung, selten wurde das Heidegger'sche „Geworfen sein“ derart drastisch inszeniert. Das Pech bleibt dem tragischen Helden sogar beim „Angeln“ nach Nahrung treu, als ihm ein großer Fisch im letzten Moment alles wegschnappt.

In Redfords zerknittertem Segler-Gesicht kann man gegen Ende sehen, wie die letzte Hoffnung entweicht – dies ist der großartige Moment, auf den „All Is Lost“ zu treibt, seglerische Fehler hin oder her. Es ist Robert Redfords ganz persönliche Erlösungsfantasie, das muss man ihm lassen.

"All Is Lost“ läuft noch bis 6. Februar in den Breitwand-Kinos Starnberg bzw. Herrsching.

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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