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Ankündigung: München in Indien – zwischen 1001 Nacht und „Drittem Reich“

"Wenn Du ja sagst, machen wir eine Hochzeitsreise nach Indien." Noch Jahrzehnte später sollte Editha Fritz-Wölfl, einstmals eine gefeierte Tänzerin, ihrem Enkel erzählen, dass diese Reise nach Indien der Grund für sie war, 1932 den Maler Hannes Fritz zu heiraten. An der Seite des Künstlers, der seine Bilder verwegen mit „Fritz-München“ signierte, sollte sie dann fünf Jahre lang durch Indien reisen und ein mehr als abenteuerlichen Leben führen.

Der Filmemacher Walter Steffen aus Seeshaupt hat nun dieses Leben mit der Kamera eingefangen: Achtzig Jahre später reiste Konstantin Fritz auf den Spuren seiner Großeltern durch Indien. Die Tagebuchaufzeichnungen und vor allem die 16mm-Filmaufnahmen von Fritz-München, der an indischen Fürstenhofen empfangen wurde und die Maharajas portraitierte, gaben die Reiseroute vor.

Johannes Adam Fritz wurde 1896 in der Pfalz geboren und absolvierte zunächst eine Banklehre. Während der Inflationsjahre beschloss er, sein Leben als Bankangestellter aufzugeben und „Kunstmaler“ zu werden. In München studierte er an der Akademie der Bildenden Künste und reiste ab 1928 mit Palette und Staffelei durch Europa, Nordafrika und nach Südamerika. Nach der Hochzeit mit der Tänzerin Editha Wölfl gingen beide im Januar 1932 in Marseille an Bord und reisten nach Bombay. Hannes Fritz hatte nicht nur Pinsel, Farben und Staffelei im Gepäck, sondern auch eine Filmkamera. Während der Überfahrt malte er den Maharaja von Baroda, der ihm anschließend ein Empfehlungsschreiben ausstellte. So avancierte Fritz-München zum gefragten Hofmaler der Maharajas und wurde an den Fürstenhöfen wie ein Staatsgast empfangen. Mit seinen Portaits verdiente er ein kleines Vermögen. Fünf Jahre lang reiste das schillernd-lebenslustige Paar immer wieder nach Indien und schien kaum wahrzunehmen, was in dieser Zeit in Deutschland passierte. 1937 ließen sich die beiden in Seeshaupt am Starnberger See nieder. In ihrem Haus gab es nicht nur ein Atelier, sondern auch einen indischen Salon, hier wurden Kostümfeste gefeiert und Fritz-München verkleidete sich nun selbst als Maharaja. Zu den mitgebrachten Einrichtungsgegenständen, die sich bis heute erhalten haben, gehörten auch ein ausgestopfter Elefantenfuß und ein Leopardenfell. Fritz-München, der jetzt eine Famlie zu ernähren hatte, versuchte sich mit den braunen Machthabern zu arrangieren. Als Maler blieb er jedoch in Deutschland erfolglos, vor dem Krieg fehlte es ihm wohl an Beziehungen, während des Krieges wurde er nach einer kritischen Bemerkung zu den politischen Verhältnissen denunziert. Ein Strafkommando an die Ostfront überlebt er wie durch ein Wunder. Nach dem Krieg galten seine Bilder altmodisch, der Zeitgeist hatte ihn überholt.

Der 1978 geborene Konstantin Fritz wuchs in dem Künstlerhaus seines 1981 verstorbenen Großvaters in Seeshaupt auf. Er erkundet seine Familiengeschichte und ist der Protagonist des schillernden „Dokumentarischen Romans“, den Walter Steffen nun über Fritz-München gedreht hat. Anhand der erhaltenen Tagebuchaufzeichnungen und Fotografien rekonstruierte er die Reiseroute des Malers. Er kontaktierte die Nachfahren der früheren Maharajas und fand in den Palästen immerhin fünf der sieben Herrscherbilder, nach denen er suchte. Interviews und Bilder aus dem heutigen Indien, Gespräche mit den Söhnen des Malers sowie Statements des Kunsthistoriker Walter Grasskamp werden den alten, sorgfältig nachvertonten Aufnahmen gegenübergestellt. Allein für dieses historische Filmmaterial dürfte sich ein Besuch im Kino lohnen!
Premiere von „München in Indien“ ist am 2.1.2013 im Kino Breitwand in Starnberg.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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