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Arabische Literatur: der Gautinger Verleger Peter Kirchheim

Abseits vom Mainstream, in den kleinen Nischen hinter den Bestsellerproduzenten und Big-Player-Konzernen, entdeckt man sie noch, die kleinen unabhängigen Verlage. Viele sind es nicht mehr, ihre Zahl schrumpft wie die anderer Geheimtipps, entlegene Reiseziele beispielsweise oder einsame Badeseen. Kleinverleger sind die letzten Biotope in der zunehmend kommerzialisierten Literaturlandschaft. Einer, der seit mehr als dreißig Jahren sein Ein-Mann-Unternehmen mit einem exquisiten kleinen Programm betreibt, ist der Gautinger Verleger Peter Kirchheim.

In Kirchheims Backlist finden sich Namen wie Herbert Achternbusch, Laura Waco oder Said, einer seiner größten Erfolge war die zweisprachige Gesamtausgabe des großen italienischen Lyrikers Guiseppe Ungaretti. In den letzten Jahren hat sich Peter Kirchheim auf Romane aus dem arabischen Sprachraum spezialisiert, hat viele literarische Debuts unterstützt und lernt seit einiger Zeit sogar Persisch, um noch tiefer in diesen Raum von tausend Geschichten einzusteigen. Jetzt sind zwei Romane in seinem Verlag erschienen, von denen der eine aus dem Persischen, der andere aus dem Französischen übersetzt wurde. Beide thematisieren Krieg und Vertreibung, der eine spielt im Iran, der andere zum Teil in Afghanistan.

Mily heißt eigentlich Milad. Mily ist mein Liebster. Wir haben einander Kosenamen gegeben. Er nennt mich Lilou. Aber das ist unser Geheimnis. Mily hat meinetwegen eine Narbe. Er hat mir das Leben gerettet, damals im Park. Neben einem Restaurant haben wir gespielt, und plötzlich ist ganz in der Nähe etwas explodiert. Mily hat sich auf mich geworfen, um mich zu schützen. (…) Als ich mich hochgerappelt hatte, sah ich, dass Milys Gesicht voller Blut war.

„Mein afghanischer Pianist“ heißt der Debutroman der in Frankreich lebenden Autorin Schabnam Zariab. Es ist die Geschichte von Laily, die in Kabul unter der russischen Besatzung aufwächst. Nach dem Attentat verlässt ihre Familie Afghanistan und geht ins Exil nach Frankreich. Dort erlebt Laily zunächst Anfeindungen, Sprachschwierigkeiten und all das, womit Migranten sich zwangsweise beschäftigen müssen. Als Flucht vor dem Alltag und als beste Sprachschule überhaupt bleibt ihr nur das Kino.

In diesen dunklen Sälen haben Renoir und Godard, Carné und Tavernier (…) mich endlich mit meiner neuen Sprache versöhnt. Und ich lerne täglich dazu. Und nun ist das Drama perfekt, das mein Vater vorausgesehen hatte: mein Persisch ist mir nach und nach abhanden gekommen.

Das Geschehen um den 11. September rückt Afghanistan für Laily wieder in den Blickpunkt. Wie sie dorthin zurückkehrt, auf eine durch die Taliban völlig veränderte Welt stößt und was sie bei ihrer Suche nach Milad, dem einstigen Lebensretter, entdecken muss, davon erzählt Schabnam Zariab berührend und einfühlsam in ihrem Roman „Mein afghanischer Pianist“.

Der andere Roman, „Skorpion“ von Hossein Mortezaeian Abkenar, ist ungleich experimenteller und ein höchst spannender Beleg, dass die Moderne zumindest in der iranischen Literatur längst angekommen ist. Die Geschichte um den vom Iran-Irak-Krieg traumatisierten Morteza arbeitet mit wechselnden Perspektiven, mit Montage und Demontage und folgt so eindrucksvoll den Wegen einer zerrissenen Existenz. Keine leichte Lektüre, aber ein großer, ungewöhnlicher Roman.

„Skorpion“ von Abkenar und „Mein afghanischer Pianist“ von Zariab sind beide im Peter Kirchheim Verlag erschienen und bisher noch Geheimtipps. Aber auch manche geheime Badestelle ist ja inzwischen längst entdeckt.

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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