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Arsen und Spitzenhäubchen auf der Kolpingbühne

Wer sprichwörtlich eine „Leiche im Keller“ hat, der könnte Probleme bekommen; wer aber gleich zwölf Leichen im Keller hat wie Abby und Martha Brewster, der legt den Grundstein für eine rabenschwarze Komödie: „Arsen und Spitzenhäubchen“ ist die Geschichte zweier leicht verhuschter Tanten, die alle für liebenswert halten, obwohl die alten Damen es faustdick hinter den Ohren haben und bevorzugt alleinstehende Untermieter mit selbst gemachtem Holunder-Wein um die Ecke bringen.

Die Kolpingbühne Starnberg hat sich ein Jahr vor ihrem 50.Jubiläum an dieses berühmte, mehrfach verfilmte Theaterstück von Joseph Kesselring gewagt und unter der bewährten Spielleitung von Josef Hiebl wieder mal einen Treffer gelandet.
Genau wie im Frank Capra-Film von 1941 (mit Cary Grant) geht es ordentlich rund in der guten Stube der Tanten: Neffe Mortimer, ein eher spießiger Theaterkritiker (etwas zu unaufgeregt bei immerhin zwölf Leichen: Bernhard Wulff) will vor allem die Ordnung wahren, als er hinter das Geheimnis seiner lächelnd mordenden Tanten kommt, doch die bleiben unbeeindruckt in ihrer Schrulligkeit (Cornelia Springer als Abby und Silvia Weger als Martha agieren überzeugend) und geben sich als Überzeugungstäterinnen: Ihre Morde „verhelfen einsamen älteren Herren zu innerem Frieden und Glückseligkeit“, lautet ihr Credo.

In große Gefahr gerät dieses Treiben zwischen „Tea Time“ und Küche, als Mortimers auf die schiefe Bahn geratener Bruder Jonathan (Oliver Schwab), ein übles Narbengesicht (zu loben sind die Maskenbildner Josefine Hanika, Maria Brechtelsbauer, Monika Hiebl), mitsamt Dr. Einstein (Thomas Müller) und einer weiteren Leiche „im Gepäck“ aufkreuzt: Diese beiden Figuren sind eigentlich die stärksten der Kolping-Inszenierung – Oliver Schwab als bedrohlich-sadistischer Wahnsinniger und Thomas Müller mit Peter-Lorre-Fistelstimme und Quasimodo-Gebuckel machen richtig Spaß.

Auch  eine weitere Nebenrolle, die des dritten Bruders Teddy Brewster (Dennis Ciupek) passt in das allgemeine Chaos und war schon im Film für die Auflösung ausgereizter Szenen zuständig: „Teddy“ hält sich nämlich für den Präsidenten Theodore Roosevelt und meint, er müsse im Keller den „Panama-Kanal“ ausheben – ein praktischer Aspekt, wenn man Platz für all die Leichen braucht. „Teddy“ bläst jedenfalls immer dann Treppe stürmend zur „Aaaaa-ta-ckeeeeee!“, wenn die anderen Figuren eine Pause brauchen. Die Fallhöhe dieses Theaterstoffs wird natürlich hergeleitet aus dem Kontrast des äußerlich Harmlosen zu den inneren Abgründen der handelnden Personen.
Und hier hat auch Hans Steinherrs Bühnenbild schön aufs Detail geachtet: Zwölf Hüte der „entsorgten“ Untermieter ruhen unschuldig im Regal, das gesamte Mobiliar leuchtet giftgrün, und der tödliche Holunder-Wein funkelt überall.
Besonders geglückt aber ist die Auflösung am Ende, als Jonathan verhaftet wird, beim „Body Count“ gegenüber Abby und Martha ein „12:12-Unentschieden“ der Leichen reklamiert die beiden Tanten ins Sanatorium sollen:  Ein allerletztes Schlückchen Wein gefällig? Da kann doch auch der überkorrekte Heimleiter Mr. Witherspoon (Toni Summer) nicht Nein sagen . . .

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(Weitere Aufführungen: 27. und 31.Oktober, 2./3./9./10.November,  jeweils 20 Uhr, sowie 4.November, 18 Uhr, und 11.November. 15 Uhr. Es gibt laut Spielleitung noch Restkarten.)
www.kolpingbuehne.de

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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