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Auch von Rotwein kann man blau werden: Eine Weinlesung mit Vera Lippisch und Maria Reiter

Es gibt Konzerte und es gibt Lesungen. Und wenn es ganz gut geht, dann verschmilzt beides zu einem einzigartigen Kunstgenuss. So geschehen bei der jüngsten Veranstaltung im Klinikum Starnberg unter dem Tucholsky-Motto „Schade, dass man einen Wein nicht streicheln kann“: eine feine Auslese aus Text und Musik rund ums Thema Wein. 

Wein ist die beste Medizin und gehört eigentlich an jedes Krankenbett. So weit ist es zwar noch nicht im Starnberger Klinikum, aber Kunst heilt ja bekanntlich auch und so verwandelt sich einmal wöchentlich die Kapelle dort in einen Kulturraum für Patienten und Besucher. Wenn es dann um Wein geht, dann werden nicht nur Kranke in die Kapelle begleitet. Dann kommen auch Besucher von draußen, zumal die beiden angekündigten Künstlerinnen, die Schauspielerin Vera Lippisch und die Akkordeonspielerin Maria Reiter, ohnehin für Qualität bürgen.

Das Programm der beiden war eine fein abgestimmte Zusammenstellung von Texten und Liedern. Die Auslese an Sinnsprüchen, Aphorismen, Gedichten, Albernheiten und kurzen Erzählungen zum Thema Wein war mit Phrasen bekannter Trink- und Volkslieder, mit Tanzmusik und klassischen Melodien  zu einem perlenden Cuvée verschnitten. Der unterhaltsame Abend war leicht wie ein frischer Sommerwein, rund im Abgang, aromatisiert mit einer Spur Erotik, Süße, Süffisanz und Narrheiten und veredelt mit einer Brise Tiefgang und Nachdenklichkeit.

In allen Kulturen, in allen Ländern und zu allen Zeiten gab es Philosophen, Dichter, Denker, die ihre Bonmots zum Wein hinterließen und später machte so mancher Trunkenbold  aus dem wohl berühmtesten Sinnspruch „in vino veritas“ ein „in vino wer wie was“. Aber es war nicht nur der Humor und der Witz so mancher Lebensweisheit, der das Publikum erheiterte. Da wurde auch von der Heilkraft des Weines gesprochen, die schon in den Geschichten von 1001 Nacht überliefert ist: Wein zerbröckelt Nierensteine, stärkt die Eingeweide, verscheucht Sorgen, fördert die Verdauung, reinigt den Körper von schlechten Säften, den Kopf und das Hirn von Grillen und verzögert das Ergrauen der Haare, heißt es da. Die Italiener finden, dass ein Fass Wein mehr Wunder beinhaltet als eine Kirche voller Heiliger, die Ungarn wissen, dass Wein kluge Leute zu Narren macht und selbst die Chinesen, die man ja nicht gerade für Weinkenner hält,  haben erkannt, dass drei Gäser Wein hundert Streitgesprächen ein Ende machen.  „Auch vom Rotwein kann man blau werden“, bekannte eine deutsche Lyrikerin und Lavater donnerte moralinsauer, dass Wein den Menschen seiner Sinne beraube. Nun wären all diese Notate, Sinnsprüche, der Bibeltext mit dem bekannten Weinwunder von Kanaa, Goethes Tischlied oder Hesses Erzählung vom lustigen Florentiner nur hohle Wortgefüge, hätten die beiden Künstlerinnen nicht das Ganze so elegant zusammengefügt. So verschmolz die  changierende, geschmeidige und immer ausdrucksstarke Stimme von Vera Lippisch mit dem mal melancholischen,  mal feuchtfröhlichem, mal stampfenden Atem des Akkordeons zu einem gemeinsamen Rhythmus, zu einem einzigen Klanggefüge mit flirrender Farbigkeit. Wenn Text und Musik so brillant ineinanderfließen, dann funkelt alles wie ein tiefroter Bordeaux im hellen Sonnenlicht und man möchte darin fast eine neue Kunstform entdecken.

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

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