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Beethovens Neunte am Kirchplatz in Starnberg

An diesem Abend scheinen die Götter oben im Himmel Regie geführt zu haben, als wollten sie mit dieser lauen Sommernacht all diejenigen belohnen die mit großen Visionen den Geburtstag der Stadt vorbereiteten und etwas auf die Beine gestellt haben, das die Starnberger in ihrer hundertjährigen Stadtgeschichte bisher noch nie erlebt haben.

Opulenter lässt sich der Höhepunkt solch eines Bürgerfestes wirklich nicht feiern, als mit einem 80köpfigen Orchester und einem 90köpfigen Chor der Bayerischen Philharmonie, die für Starnbergs Bürger unter dem Dirigat von Wolfgang Seeliger bei freiem Eintritt Beethovens 9. Symphonie erklingen ließen. Welch ein Werk zu diesem Anlass, das das Schicksalhafte mit musikalischer Wucht über himmelstürmende Gedanken zur zarten Versönlichkeit wandelt und in eine reine, helle Freude transformiert. Passend zur fulminanten Musik brauten sich am Himmel Gewitterwolken zusammen und lösten sich im zarten Rosa der Abendwolken wieder auf, als inszenierte der heilige Petrus das Licht zu dieser wunderbaren Symphonie. Wolfgang Seeliger führte Beethovens Neunte in seiner ganzen Großartigkeit und berauschenden Emotionalität leidenschaftlich von der Dämonie der Dunkelheit über den zweiten geheimnisvollen Satz in die idyllische Stimmung des Mittelteils, in Ruhe und Frieden, bevor er im wilden Fortissimo zum berauschenden Finale fand, in dem sich alles zum Göttlichen steigert. Die größte Freude schöner Götterfunken für alle Anwesenden entlud sich aber nach dem brausendem Applaus am schwarzen Abendhimmel in einem furiosen Feuerwerk über dem Kirchplatz. Zu mitreißender verstärkter E- und U-Musik - zur Freude aller, die von dem unplugged gespielten Klassikkonzert nicht so viel gehört hatten - tanzten die herabrieselnden Goldfunken 20 Minuten lang über dem Kirchplatz.

Schon eine Stunde vor Beginn des Konzerts war am Kirchplatz kein Durchkommen mehr. Hunderte hatten sich mit Campingstühlen, Decken und Klappsitzen ausgerüstet, an den offenen Fenstern der umliegenden Häuser hingen die Menschen in Trauben, eine Hundertschaft an Sicherheitskräften hastete in den Sicherheitszonen von einer Absperrung zur nächsten, 50 Mitarbeiter sorgten im Auftrag des Kulturamtes für den reibungslosen Ablauf des Programms. Knapp 5000 Menschen waren herbeigeströmt, um die „Ode an die Freude“ zu hören. Vielleicht auch in der Hoffnung, dass genügend Stadträte anwesend sind, die sich die berühmteste Zeile aus Schillers Gedicht - das vom Bassisten Martin Werner schmetternd in die Menge getragene „O Freunde, nicht diese Töne, lasst uns angenehmere anstimmen und freudenvollere!“ - in den nächsten hundert Jahren zu Herzen nehmen mögen.

Dieser Artikel ist am 18. Juni 2012 im Starnberger Merkur erschienen.

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

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