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Brahms mit Dreadlocks: Klassik, Jazz und Reggae

Bereits zum dritten Mal seit 2011 hatten sich unter dem Motto „Brahms meets Jazz“ Musiker bei den Tutzinger Brahmstagen versammelt, die Ungewöhnliches, ja buchstäblich „Unerhörtes“ im Schilde führten – das Arrangement und die Verknüpfung Brahms'scher Original-Vorlagen mit der „swingenden“ Moderne.

Hier also das Jazz-Quartet (mit einem „t“ am Ende) des in Tutzing aufgewachsenen Violinisten Max Grosch und seiner drei Mitstreiter Jan Eschke (Bernried) am Klavier, Benjamin Schäfer am Kontrabass und Bastian Jütte am Schlagzeug, dort das „Diogenes Quartett“ (mit zwei „t“ am Ende): Stefan und Gundula Kirpal an den Violinen, Alba Gonzales i Becerra an der Bratsche, Stephan Ristau am Violoncello sowie diesmal zur Verstärkung Andreas Kirpal am Pianoforte. Wer nun z.B. den Auftritt von 2011 erlebt hatte, der durfte feststellen, dass die beiden „Lager“ seither noch besser aufeinander eingespielt sind und das „4+5“ Crossover-Experiment noch besser „flutschte“ als vor zwei Jahren: Zum „Warmlaufen“ und quasi als frühen Nachweis, dass es hier vor allem und noch immer um Johannes Brahms gehen sollte, kredenzten die zehn Akteure den im Jahre 2007 von Jan Eschke neu arrangierten „Ungarischen Tanz Nr. 5“, die  vielleicht bekannteste Komposition des Meisters aus Tutzing – ganz wunderbar funktioniert hier die Stab-Übergabe der Instrumente und Stimmungen: Eine „tänzelnde“ Weiterführung des Brahms-Urgedankens in entmilitarisierte Zeiten, könnte man meinen.

Weiter ging's dann mit dem 2. und 3. Satz des Klavierquintetts f-moll: Hier wird der klassisch ausladende Vortrag des Diogenes-Quartetts gleitend übernommen und der „Ball“ aus dem erreichten Gleichschwung heraus dann ebenso geschmeidig zurück gespielt: „Das etwas andere Konzert“ (Max Grosch) hatte Fahrt aufgenommen, und als man das Finale des 3. Satzes samt Doppel-Piano-Einsatz erreicht hatte, reagierte das Publikum in der Aula des Gymnasiums mit enthusiastischem Applaus und wiederholten Bravo-Rufen. Das Faszinierende dieser „Brahms meets Jazz“-Dialoge liegt zum einen in den technisch-kompositorischen Anknüpfungen, zum andern in der verblüffenden Nachbarschaft der jeweils transportierten Emotionen: Brahms geradezu zuweilen elysische Schönheit, und doch verkraftete dies als „Kommentar“ die schwingende Leichtigkeit der Geige Max Groschs.

Zuweilen stehen Vorlage und Moderne auch wie rivalisierende Gangs nebeneinander – die „Jazzer“ in der Rolle der „bösen Jungs“, die den vermeintlich „braveren“ ihren Spielball weggenommen haben, um sie zu foppen. Und dann wieder „vertragen“ sich alle Neune auf sehr erfrischende Weise – etwa mit einer herrlichen Reggae-Passage auf echt Brahms'schem Acker: Trug der Meister nicht doch Dreadlocks seinerzeit?

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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