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Butt, wohin bis du entkommen? Günter Grass in der Kunsthalle

Man kennt es ja, das Günter-Grass-Fernsehgesicht, den Talkrunden-Griesegram. Ein mürrischer Zeitgenosse mit Pfeife unter dem Schnauzer, der die Welt anblafft und der behauptet: „Ich zeichne immer, auch wenn ich nicht zeichne“.  Man glaubt es gerne. Als Zeichner ist er sogar gelernter Künstler,  als Schriftsteller nicht - und erstaunlich heiter.

Der 1927 in Danzig geborene Schriftsteller absolvierte 1947 eine Steinmetzlehre, studierte Malerei, Zeichnung und Bildhauerei an der Düsseldorfer Akademie, unter anderem bei Otto Pankok und an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Karl Hartung. Als Zeichner ist er der breiten Öffentlichkeit allenfalls durch seine Buchillustrationen bekannt, seine Bronzeskulpturen kennt man kaum. Diese Bildungslücke kann man nun schließen. Jürgen Stenzel von der Kunsthalle Seefeld zeigt die bislang größte Ausstellung von Arbeiten des Literaturnobelpreisträgers  in Süddeutschland, die ein anderes Licht auf Günter Grass wirft. Der Künstler malt  mit Lust und Freude, zeichnet, radiert, lithografiert nach Herzenslust und schafft starke Bronzen.

Die exquisite Schau kam durch die Kooperation mit dem Kunsthaus Lübeck zustande, das sich nur einen Steinwurf entfernt vom dortigen Günter Grass Haus befindet. Die Arbeiten wurden allesamt jüngst aus dem Nachlass eines Privatsammlers zurückgekauft, herrliche Lithografien, die aus verschiedenen Zyklen stammen, wie Illustrationen zur 50. Jubiläumsausgabe der Blechtrommel. Der große deutsche Roman der 50er Jahre ist hier mit fünf Oskars ausgestattet -für jedes Jahrzehnt ein Oskar. Daneben Illustrationen zu seinem Buch „Die Box“, das seiner Freundin Maria Rama gewidmet ist, die als Fotografin mit einer alten Agfa-Box ihr koboldhaftes Unwesen treibt oder ganz frühe Grafiken wie die "Diana". Wer hätte schon gedacht, dass Grass sich selbst in den dichten Wald verbannt, im Geäst und zwischen Bäumen irrend? Seinen Kopf im Wasser treiben lässt? Aale aus seinem Mund schlängeln lässt. Da geht er hart mit sich ins Gericht. Ironie, Witz und Leichtigkeit aber wieder im Zyklus „Letzte Tänze“, Lithografien, die mit fiebriger Handschrift tanzende Paare „Zum Siedepunkt“ bringen. In seinen Bronzeskulpturen entpuppt sich Grass als Meister der Reduktion in liebenswerten Porträts verschiedener Tanzpaare. Grass, selbst leidenschaftliche Tangotänzer, wie man seit der Nobelpreisverleihung 1999 weiß, hat einen untrüglichen Blick für Situationskomik. Bei den „Küchenzetteln“ präsentiert er sich als sinnlicher Koch mit zarter Handschrift bei martialischen Schlachtfesten und- wie so oft- in Wort und Bild:  “Ach Butt!“ seufzt der Romancier den abgenagten Gräten in der Arbeit "Als vom Butt nur die Gräte geblieben war" hinterher, „das Märchen geht böse aus!“

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

Kommentare

An die Kulturredaktion,

besten Dank für den super Artikel über die
Günter Grass Ausstellung.
Eingebracht von Frau Amelungse-Kurth.
Endlich ein neues Medium für die Kultur im Fünfseenland.

Glückwunsch
Jürgen Stenzel
KUNSTHALLESchlossSeefeld

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