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Claus von Wagner - Theorie der feinen Menschen

Kein Ort ist wohl geeigneter für die moralische Abrechnung mit der Finanzindustrie als der Tresorraum einer Bank – wo sonst ließe sich die Atemnot und Beklemmung des einzelnen Menschen so schön zum Thema machen wie zwischen Schließfächern? 

Claus von Wagner hat in seinem brandneuen Programm „Theorie der feinen Menschen“ diese Ausgangssituation gewählt, um sozusagen aus den Katakomben des Geldes heraus denen da oben die Meinung zu geigen. Nur ein altes Telefon dient noch als Verbindung zur Außenwelt, denn das Zeitschloss der Tür zum Tresorraum ist unerbittlich - im knallvoll besetzten Alten Wirt Etterschlag durfte Claus von Wagner alias „Claus Neumann“ jedenfalls feststellen: „Man muss den Sauerstoffmangel gar nicht spielen.“

Was der Mittdreißiger dann trotz Luftmangel aus dieser klaustrophoben Situation gut drei Stunden lang macht, ist wohl das Reifste, was je ein Kabarettist seiner Generation auf eine Bühne gebracht hat: „Neumann“ soll eine Rede zu Ehren seines verstorbenen Vaters halten, findet aber in dessen Schließfach brisantes Material. Daraus entwickelt Wagner nun höchst geschickt seine „Theorie vom feinen Menschen“. Fragen und Antworten zum Treiben von Bankberatern, Wirtschaftsprüfern, Staatslenkern und Spekulanten, wobei er immer wieder auf Pointen zusteuert, die man in Stein meißeln könnte: „Politiker lügen nicht, wenn sich das Volk nur zu dem, was sie sagen, richtig verhält.“ So was grenzt schon an Philosophie.

Herrlich auch das als Metapher zur Euro-Krise gestrickte Szenario eines abstürzenden Flugzeugs: Geschrei vorne in der Business Class, und als der irritierte „Holzklasse“-Fluggast nachschaut, sieht er sich nur noch einer stark an Angela Merkel erinnernden Stewardess gegenüber, die verkündet, Piloten und Edelkundschaft seien längst abgesprungen: „Keine Sorge, ich habe Physik studiert!“ Wie dankbar und erleichtert die Leute sind, nach all dem Verschleierungschinesisch anschauliche Bilder vom Niedergang serviert zu bekommen, konnte man in Etterschlag am Applaus erkennen.

Claus von Wagner ist halt noch keiner, der mit der Bitterkeit älterer Kollegen auf das umfassende Inkompetenz-Desaster reagiert – er kann sich halt noch entrüsten wie ein junger Wilder. Benennt Leerverkäufe als das, was sie sind: „Pferdewetten ohne Pferde, Reiter und Rennbahn.“ Und die sträflich-leichtfertige Abgabe von Verantwortung durch die Politik an die Ackermänner dieser Welt zeichnet er wie folgt: „Man hat einen Elefanten genommen, in einen Porzellanladen geschoben und gesagt, schau dich'n bisschen um!“ Was da mit unser aller Geld abläuft, ist für ihn nichts anderes als „die organisierte Suche nach dem größten Deppen“. Die Botschaft: Wir drohen zu ersticken, in den Tresorräumen unserer schönen neuen Welt. Begeisterung im Alten Wirt.

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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