Liebe Besucher der Kulturwelle5,

leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir unser Kulturportal für das Starnberger Fünfseeland nach dreieinhalb spannenden Jahren einstellen.

Falls Sie einen Blick auf die Ereignisse der Jahre 2012 bis Anfang 2015 werfen möchten,
klicken Sie hier.

Wir wünschen allen Kulturveranstaltern und Kulturinteressierten viel Erfolg und alles Gute,
das Team der Kulturwelle5

Das wüste Gobi - vormals Ars Vitalis

Es war im Grunde Trauerarbeit auf offener Bühne, was da am Donnerstag im bosco zu sehen war: Buddy Sacher und Peter Wilmanns sind nur noch zu zweit, nachdem ihr Schlagzeuger Klaus Huber an Silvester 2011 verstorben ist – das Trio „Ars Vitalis“ schrumpfte damit zu „Das wüste Gobi“, und die beiden Hinterbliebenen  haben ihren Schmerz nun in ein neues, tiefschwarzes Programm gegossen.

Die wunderbaren Absurditäten, die Wilmanns & Sacher da miteinander verknüpfen, bezeichnet das Duo selber als „musikalische Lesung“ - gespeist sind sie allesamt von jenem putzig-weltfremden Ornithologen-Jargon, der ungezählte Fachbücher füllt und eigentlich nichts anderes ist als ein ewiges Kondolieren über aussterbende Arten. Wir lernen: „Der rheinische Drängler – seine Reisegeschwindigkeit ist immer auf Anschlag“; oder: „Die stimmlosen Konsonanten – Vogelkundler begannen im 20.Jahrhundert aus Mitleid damit, ihnen selber etwas vorzusingen.“

Wenn Buddy Sacher mit todernster Gesichtsausdruck derlei Pseudo-Wissenschaft vom Stapel lässt, entfaltet sich die ganze Tragik und Sinnlosigkeit menschlichen Forschens. Hin und wieder liefert Peter Wilmanns dazu akustische Kommentare an Saxophon, Klarinette oder Miniatur-Orgel, die eher an gequälte Kreaturen erinnern denn an Vogelsang – Dopplung der verbissenen Ornithologen-Attitüde, ohne eine Miene zu verziehen. In den besten Momenten ist dies Theater à la Samuel Beckett, der sogar zitiert wird: Der Mensch, er müsste eigentlich resignieren in seinem lächerlichen Bemühen, irgendeine Ordnung in die Welt-Unordnung zu bringen. Oder sich gleich der Trunksucht ergeben - Wilmanns bringt, ein mit Rotem gefülltes Glas schwenkend, alles auf den Punkt: „Der Amselfelder hat mit einem Vogel genauso wenig zu tun wie mit einem Wein.“

Zur Erholung von solcher „avifaunischen“ Phantasie bringt „Das wüste Gobi“ zwischendurch immer mal Jazz- oder Folk- und sogar Janis-Joplin-Zitate („Freedom's just another word for nothing left to lose“) - es ist auch eine versteckte Ode an die Freiheit und ein Davonfliegenwollen, dieses Programm. Sacher ringt dabei mit einer Gitarre wie vom Sperrmüll, als drohe diese ihn irgendwann zu übermannen; und Wilmanns, der andere Stoiker, sagt, wenn er nicht gerade Saxophon bläst oder die Bühne abbaut: „Ein Vogel ist auch nur ein Federhalter.“ Wir Unkundigen wissen nun eine Menge mehr über die Vogelwelt, z.B. dass die „Piraterie“ zu den gefährlichsten Vögeln zählt und die „Bierdrossel“ am meisten verträgt. Leider ist auch diese Spezies vom Aussterben bedroht. Wir trauern mit ihnen.

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA

Captcha-Sicherheitsfrage gegen Spam-Mail (kommt leider immer wieder vor) Bitte vervollständigen Sie folgende Rechnung: