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Demut statt Narzissmus: Architekt Muck Petzet in Feldafing

Den Auftritt eines Stararchitekten hätte man sich anders vorgestellt. Immerhin hatte der Name Muck Petzet für gut gefüllte Stuhlreihen im neuen Feldafinger Kultursaal gesorgt. Der Kunst- und Museumsverein hatte ihn im Rahmen einer Reihe zum Thema Architektur eingeladen. Und natürlich waren zahlreiche Architekten gekommen, um den Kollegen zu hören, der fürs Nichtbauen plädiert und in München zuletzt mit seinem Einsatz gegen den Abbruch des Gesundheitshauses an der Dachauer Straße für einiges Aufsehen sorgte.

Moderne Architekten verstehen sich als Künstler und ihre Gebäude als Kunstwerke, als Landmarken oder futuristische Akzente in historischen Kontexten. Und dann kommt einer wie Muck Petzet und fordert respektvollen Umgang mit vorhandener Bausubstanz, Rückbau, Revitalisierung, Umnutzung, allenfalls Ergänzung des Vorhandenen – und sei es eine Plattenbausiedlung im Osten oder die in die Jahre gekommene Münchner Olympia-Architektur der siebziger Jahre. Für den deutschen Beitrag zur Architekturbiennale 2012 übertrug er die Formel „reuse, reduce, recycle“ aus der Abfallwirtschaft auf die Aufgaben zukunftsfähiger Architektur: Seine Ausstellung entstand ohne Ausstellungsarchitektur, lediglich mit von der Stadt ausgeliehenen Hochwasserstege und Parkbänken. Der Spiegel verkürzte das Konzept zu: „Nur wer nicht baut, baut gut.“

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Tatsächlich hinterfragt Petzek auch auf dem Reißbrett entstandene Passivhaus-Siedlungen und supergedämmte Niedrigenergie-Häuser – vor allem wenn dafür vorhandene Gebäude abgerissen werden müssen: „Die Energie, die für einen Abbruch verbraucht wird, wird in den Ökobilanzen nicht berücksichtigt.“ Oder noch griffiger: „Vernünftig umbauen, ist extrem viel günstiger als Neubauen.“ Am Beispiel der Plattenbausiedlung rechnet er vor, dass es weniger kostet, drei oder vier Wohnung zu sanieren, als eine einzige neu zu bauen. Es geht Petzek mit seinem durchaus revolutionären Ansatz aber eben nicht nur um Kostenersparnis und Klimaschutz: Für ihn hat der Erhalt vorhandener Gebäude auch einen „kulturellen Mehrwert“ – und dieser Satz hatte im vorbildhaft renovierten historischen Feldafinger Bahnhof einen ganz besonderen Klang.

Muck Petzet fordert eine Wahrnehmungsveränderung: Die Wertschätzung von Vorhandenem sollte selbstverständlich werden, unnötige Eingriffe müssten zugunsten einer respektvollen Instandhaltung vermieden werden. Dafür müsse man sich in ein Gebäude hineindenken und versuchen, das nachzuvollziehen, was der Vorgänger geplant hat. Und schließlich: Man muss „mit Liebe die Dinge positiv verändern“. Die Beispiele, mit denen er diese Forderungen illustrierte, waren jedenfalls mehr als beeindruckend: Witzige, aber eben auch durchaus bescheidene Lösungen anstelle von großkotziger und narzisstischer Inszenierung.

Veranstalterin Claudia Sack sagte am Ende: „Ich bin in Gedanken schon mit Ihnen durch Feldafing gelaufen…“


Website Muck Petzet: www.mp-a.de

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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