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Eher pubertär als böse: The Wolf of Wall Street

Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ badet in der Faszination des Unmoralischen, erklärt dem Zuschauer aber nicht wirklich, warum der Planet zum Spielball geldgieriger Leute geworden ist.

In den USA löste der von Leonardo Di Caprio furios verkörperte „Wolf“ seltsamerweise eine Debatte darüber aus, ob derlei abgefilmte Hemmungslosigkeit nicht womöglich eine Verherrlichung krimineller Finanzpraktiken bedeutet. Doch wer drei Stunden lang dabei zugesehen hat, wie die in den Gesichtern gut ablesbare Gier jegliches Gefühl für die Mitmenschen auffrisst und auch das Private abtötet, der dürfte das alles eher als abstoßend empfinden – was soll denn so toll daran sein, sabbernd am Boden zu kriechen, weil man einen „üblen Trip“ erwischt hat? Was soll an der mit Geld und Drogen permanent gefütterten Selbstberauschung des Helden Jordan Belfort und seines "Wolfsrudels" so attraktiv sein, was an dieser hohlen Dauerparty und diesem „Leben auf der Überholspur“ so verlockend? Die Immunität gegen derlei Unsitten wird im Film wenigstens von einer Person recht gut ausgestrahlt: Vom Ermittler Gregory Coleman (Kyle Chandler), der den „Wolf“ am Ende in aller Ruhe und Würde zur Strecke bringen wird.

Im Gegensatz zu Vorläufer-Filmen wie „Wall Street“ und schillernden Figuren wie Gordon Gecko (damals von Michael Douglas gespielt) wirkt Scorseses Finanz-Hai dennoch eher pubertär als böse: Di Caprio laufen die von ihm selbst entfachten Mechanismen irgendwann genauso aus dem Ruder wie weiland Douglas, doch schaut Scorsese als Regisseur bei ihm viel mehr auf die Hauptfigur als auf das, was sie ringsum anrichtet. Ähnlich wie im richtigen Leben des Finanzbetrügers Jordan Belfort kommt dieser „Held“ vergleichsweise glimpflich davon: Eine Haftstrafe wird „wegen guter Führung“ sogar noch verkürzt vollzogen, und im Epilog des Films darf der einstige „Wolf of Wall Street“ schon wieder in Neuseeland Vorträge darüber halten, wie man andere Menschen mit viel heißer Luft um ihr Geld bringt. Der echte Belfort, der nach seiner gerade mal zweijährigen Gefängniszeit auch noch die Filmrechte an seiner Autobiografie versilbern konnte, ist hier übrigens kurz als Moderator zu sehen.

Was aber ebenfalls wieder ganz gut gezeigt wird, ist die lauernde Gier in den Gesichtern der hier versammelten Zuhörer: Es sind wenige ruhige Momente des Films wie dieser, die „The Wolf of Wall Street“ doch noch abheben von einer platten Dauerorgie, wie sie Di Caprio als „Der große Gatsby“ feierte – doch es bleibt bei der Andeutung von psychologischen Mechanismen, erklärt oder gar analysiert wird nichts. Wäre im Kino ja auch nicht so gut zu „verkaufen“ gewesen, oder?

„The Wolf of Wallstreet“ läuft noch bis mindestens 29. Januar im Breitwand-Kino Starnberg.

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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