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Erinnerungen an Buenos Aires: Quadro Nuevo im bosco

Zehn Tage waren die Musiker von Quadro Nuevo in Buenos Aires, doch was sie an musikalischen Erinnerungen mitgebracht haben, reicht für das ganze noch junge Jahr und länger. Das Konzert mit Evelyn Huber, Mulo Francel, D.D. Lowka, Andreas Hinterseher und als Gast Christian Gall war ein Abend voller Geschichten in Klang und Rhythmus. Als hätte einer von ihnen den Reisekoffer geöffnet, und ein Koffergeist in musikalischer Gestalt wäre herausgeschwebt, getragen von den Melodien aus den Tangocafés und den Straßenkonzerten seiner Heimat.

„Wir stehen noch ganz im Eindruck der Stadt Buenos Aires“, bekennt Mulo Francel und erzählt von den Streifzügen durch Bars und in Hinterhöfe und zu all den Orten, an denen Tango gespielt wird. Erzählt von den unzähligen Spielarten des Tangos, der mal langsam, mal temperamentvoll schnell, dann wieder leise, fast zart sein kann und im nächsten Moment wie Rock'n Roll. Und Andreas Hinterseher ergänzt, dass sie alles, was sie an europäischen Vorstellungen von Tango und wie er gespielt wird, mitgebracht hätten, dass sie all diese „Klischees“ dort gelassen hätten, zwischen zwei Sechs-Achtel-Takten, zwischen einem Mollakkord und einer Durtonfolge. Und diese Dinge erzählen sie nicht allein in Worten, sie lassen ihre mitgebrachten Geschichten Musik werden. So betörend, so Fernweh-weckend und atemberaubend, wie es nur wirklich gute Geschichten schaffen.

„End of the Rainbow“, lautete der Titel des Konzerts. Aber Quadro Nuevo wären nicht Quadro Nuevo, wenn sie sich an so formale Dinge wie Programmtitel halten würden. Das Leben läuft nun mal anders, niemand kann vorhersehen, wohin ihn der Regenbogen führt und wann er zuende ist. An diesem Abend trug er die Farben Argentiniens, und doch begann er in Europa, irgendwo in den Dreißiger Jahren, jener Zeit, deren wirbelnde, schwindelerregende Feste rückblickend wie ein Tanz auf dem Vulkan wirken. Folgerichtig beugt sich der Regenbogen vor dem, was Hersch Glick im Ghetto von Vilnius erlebt haben musste, als er „Shtil, die Nocht is oisgesternet“ schrieb. Bei Quadro Nuevo klingt es so traurigsüß und trotzig wie der Mut der Verzweifelten.

Wem die Flucht über den Ozean gelang, der nahm seine Musik mit und all die Gesänge, die Tänze aus der alten Heimat. So kam der Tango nach Argentinien und verwandelte sich dort, wie sich alles verwandelt und weiterlebt in neuer, alter Gestalt. Von all dem erzählen die Stücke dieses Abends und fügen, wo es passt, die Themen aus der eigenen musikalischen Vergangenheit mit ein, Titel wie „Paprika“ beispielsweise oder „Aventuire“. Europa und Amerika begegnen sich, Osteuropäisches trifft auf Südamerikanisches, und auch die Ebene der Zeiten ist aufgehoben. Das Mittelalter ist ebenso lebendig wie das vergangene Jahrhundert, und die Zukunft hat längst begonnen. Eine Reise auf dem Regenbogen macht es möglich. Und ein fliegender Klangteppich, gewebt aus dem, was die Vielzahl an Instrumenten hergibt: Harfe und Kontrabass, Saxophon, Klarinetten, Bandoneon und Klavier, Cajon, Mandoline und viel, viel mehr. Alle fünf sind virtuose Solisten und hochsensible Ensemblespieler, die im lebhaftesten Dialog untereinander Motive austauschen, einander Töne abnehmen, sich gegenseitig tragen und sich tragen lassen. So spielen sie sich im Laufe eines Abends in einen Rausch, der das Publikum mitzieht, mitnimmt auf die Reise zum Ende des Regenbogens und darüber hinaus. Logisch, dass da keiner heim mag und noch zwei Zugaben den Abschied hinausschieben. Nun mag der Winter kommen: in Gauting haben sie jetzt ausreichend Tango getankt.

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www.quadronuevo.de

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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