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Filmkritik: All You Need Is Love

Ein Film „wie gemalt“, könnte man über „Love Is All You Need“ sagen: Weil ihre Kinder im zitronenblühenden Italien heiraten wollen, kommt es zur schicksalhaften Begegnung des verwitweten Obst- und Gemüse-Großhändlers Philipp (Pierce Brosnan) und der in ihrer Ehe ziemlich unglücklichen Friseurin Ida (Trine Dyrholm) – er ein Amerikaner Mitte 50 zwischen professioneller Coolness und innerer Verbitterung, sie eine warmherzige Brautmutter aus Dänemark, deren eigene Sehnsüchte und Bedürfnisse längst verschütt gegangen scheinen. Dann aber entfaltet sich auf „neutralem Boden“ der unwiderstehliche Zauber dieser romantischen Kulisse. 

Ida zieht in aller Absichtslosigkeit zu den Feierlichkeiten das wohl schönste rote Kleid an, das die Filmgeschichte je gesehen hat, und der faszinierte Philipp streckt den Kopf aus seinem Panzer. Die beiden kommen sich nah und näher, zwei seelisch verwundete Menschen, die ihren unverhofft erwachten Gefühlen anfangs nicht so recht trauen. Natürlich gießt Dean Martins im Film ständig mitlaufende Schnulze „That´s Amore“ ordentlich Öl auf diesen angerichteten „Pizza Pie“ der Liebe, aber das macht gar nichts – auch ein Leonard Cohen hätte hier nur noch kapitulieren und feststellen können: „Love calls you by your name...“ Ida beginnt also regelrecht neu zu erblühen und derart zu leuchten, dass die eigentlichen Hauptdarsteller der geplanten Hochzeit zunächst nahezu verblassen. Doch es ist die außerordentliche Qualität dieses Films, dass er sich auch der anderen Figuren und Variationen von Liebe annimmt: Die geplante Hochzeit von Idas Tochter Astrid (Molly Blixt Egeling) mit Philipps Sohn Patrick (Sebastian Jessen) kommt auf den Prüfstand der Wahrhaftigkeit, Idas Ehe mit dem zur Feier gleich samt Freundin angereisten Leif (Kim Bodnia) erleidet endgültige Risse, und auch Philipps Verhältnis zur Schwägerin Benedikte (Paprika Steen) wird ein für allemal geklärt.

Man darf also durchaus innehalten als Zuschauer dieses Films, der den von ABBA-Musik rhythmisierten, artverwandten „Mama mia!“-Plot (da spielt Pierce Brosnan ebenfalls einen Brautvater mit Vergangenheit) somit deutlich hinter sich lässt. Zwischendurch nimmt sich die Kamera auch immer wieder Zeit für die atemberaubende Landschaft, den Golf von Sorrent, Sonnenauf- und Untergänge, Zitronenhaine, süditalienische Gassen – das ist wunderbar schwelgerisch und absolut passend zum Thema erblühender und ersterbender Gefühle. „Love Is All You Need“ hat keineswegs eine simple Botschaft, die in einem erwartbaren Happy-end mündet: Die Regisseurin Susanne Bier hat dem etwas oberflächlichen, zur Verkitschung neigenden Blick der Amerikaner auf Italien einen realistischen Schuss Kierkegaard beigemischt – und das tut der Glaubwürdigkeit von Liebe und Film einfach gut.

„Love Is All You Need“ läuft bis mindestens 5.Dezember täglich im Breitwand-Kino Seefeld.

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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