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Filmkritik: Invasion

Man kennt das in etwas harmloserer Form: Plötzlich steht Verwandtschaft vor der Tür, um sich für länger einzunisten, und man ist froh, wenn man sie irgendwann wieder los wird. Das Kammerspiel „Invasion“ von Dito Tsintsadze spinnt die Geschichte ins Bedrohliche weiter: Wie geht man mit einer angeblichen Cousine und deren aufdringlichem Anhang um, wenn man eigentlich ein guter Mensch ist?

Josef (Burghart Klaußner) hat Frau und Kind verloren und lebt ganz allein auf einem burgartigen Herrensitz. Bei einem seiner Friedhof-Besuche spricht ihn Nina (Heike Trinker) an, die sich als Cousine seiner verstorbenen Frau ausgibt. Der vereinsamte Witwer bildet sich ein, sie wieder zu erkennen, und so nistet sie sich bald samt ihrem erwachsenen Sohn Simon (David Imper), einem merkwürdigen Ken-Do-Fanatiker, in Josefs geräumiger Behausung ein. Bald taucht auch Simons junge Frau Milena (Merab Ninidze) auf, die offenbar aus Rumänien stammt und ihrerseits einen zehnjährigen, etwas zurückgebliebenen Jungen mitbringt.

Der Hausherr findet zunächst Gefallen an der unverhofften Gesellschaft und zeigt sich als guter Gastgeber. Doch es dauert nicht lange, bis wie aus dem Nichts immer neue Personen hinzu kommen und sich zu Josefs Erstaunen bei ihm breit machen wollen – die „Invasion“ beginnt: Ninas Freund Konstantin, ein ebenso geschmeidiger wie nassforscher Osteuropäer, erscheint auf der Bildfläche und okkupiert schon bald Josefs Arbeitszimmer, um irgendwelchen vermeintlich humanitären Geschäften nachzugehen. Josef schaut dem Treiben um ihn her mit zunehmender Fassungslosigkeit zu, doch weil er sich für Milena sexuell und für deren kleinen Sohn väterlich zu interessieren beginnt, lässt er die ganze Bagage eine Zeitlang gewähren.

Bis sich die anfängliche Freundlichkeit seiner neuen „Verwandtschaft“ zunehmend als Fassade erweist und auch düstere Konflikte zu Tage treten – die Wahrheit der einzelnen Figuren kommt, wenn überhaupt, nur scheibchenweise ans Licht. Als Josef endlich ein Machtwort spricht und die ungebetenen Gäste vor die Tür zu setzen versucht, eskaliert die Lage und führt zu einem bizarren Finale...

Die deutsch-österreichische Produktion „Invasion“ ist ein atmosphärisch dichter Low-Budget- Thriller, wie man ihn eher selten zu sehen bekommt. Das Schöne daran ist, dass nicht alles erklärt wird, sondern dem Kinozuschauer am Ende ein Rest von Spekulation bleibt – eine Reverenz an die angelsächsische Erzähltradition. Burkhard Klaußner und die weiteren Darsteller sind allesamt starke Figuren, die jeder für sich ein Geheimnis mit sich herum zu tragen scheinen. Lauter unheilvolle Konstellationen bestehen zwischen diesen Personen, und dies fesselt bis zur letzten Minute.

„Invasion“ (2012) ist in den kommenden Wochen leider nur noch in München zu sehen.

 

Invasion Trailer auf trailerseite.de

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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