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Filmkritik: Lincoln

Dass der ursprünglich für die Hauptrolle in Steven Spielbergs Historienfilm „Lincoln“ vorgesehene Schauspieler Liam Neeson abgesagt hatte, weil er sich angeblich zu alt für die Figur des 16. amerikanischen Präsidenten fühlte, darf als Glücksfall betrachtet werden: „Ersatzpräsident“ Daniel Day-Lewis ist von geradezu gespenstischer Intensität und Glaubwürdigkeit und dürfte in diesem Jahr konkurrenzlos den „Oscar“ gewinnen.

Spielbergs seit 2005 geplantes und auf dem Sachbuch „Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln“ von Doris Kearns Goodwin basierendes Opus beschreibt vor dem Hintergrund des nahezu entschiedenen amerikanischen Bürgerkrieges die letzten Jahre von Lincolns Amtszeit 1864/65. Der im Volke höchst beliebte Präsident steht im Begriff, den 13.Zusatzartikel in die Verfassung einzubringen, welcher „ein für allemal“ die in den Südstaaten weiterhin praktizierte Sklaverei beenden soll – doch der von dieser Frage ausgelöste Sezessionskrieg ist noch nicht beigelegt, und Lincoln sieht sich starkem Druck ausgesetzt: Er soll das blutige Gemetzel um den Preis der Beibehaltung der Sklaverei in einem Friedensvertrag mit dem Süden möglichst rasch stoppen, fordern sogar Kabinettsmitglieder aus seiner eigenen republikanischen Partei.

Lincoln steckt in einem schweren Dilemma: Wenngleich er sich den Frieden wünscht - die Sklaverei ist dem Humanisten zutiefst zuwider. Im Repräsentantenhaus benötigt er für deren Abschaffung eine Zweidrittel-Mehrheit, und so beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um mit allen Mitteln die noch fehlenden 20 Stimmen zu „organisieren“. Derweil drängt der geschwächte Süden auf Friedensverhandlungen, und die Anhänger der Sklaverei wollen diesen Umstand ausnutzen, Lincoln zu desavouieren und zugleich ihre Pfründe zu bewahren. Während die entscheidende Abstimmung am 31.Januar 1865 herannaht und sich in der Abgeordnetenkammer wüste Rededuelle abspielen (Tommy Lee Jones glänzt hier als Wortführer der Republikaner ganz besonders), versucht der Präsident auf Zeit zu spielen und die von den Sezessionisten für einen Friedensschluss entsandte Delegation zu ignorieren. Am Ende wird diese Taktik Erfolg haben, doch der Sieg ist teuer erkauft.

Zieht man ein gewisses US-amerikanisches Pathos bei diesem 149 Minuten langen Mammut-Werk ab, bleibt ein großartiges politisches Lehrstück übrig, das zugleich ein höchst differenziertes Psychogramm der Figur Lincoln bietet: Die äußeren und inneren Konflikte dieses großen Mannes, sie werden durch Daniel Day-Lewis in wirklich einzigartiger Weise widergespiegelt – doch auch die Präsidenten-Frau Mary (Sally Field) ist an Lincolns Seite eine kraftvolle Unterstützerin wie auch dessen stärkste Kritikerin: Wenn der Krieg nicht bald endet, könnte nämlich auch ihr zu den Waffen drängender gemeinsamer Sohn als Soldat noch sein Leben verlieren, fürchtet sie, denn ein Kind haben die Lincolns schon verloren. Die enorme Last geschichtlicher Verantwortung, die Einsamkeit der Entscheidungen und der dahin führende quälende Prozess – selten hat ein Regisseur dies alles derart überzeugend dargestellt wie hier, mit einem grandiosen Hauptdarsteller und zahllosen weiteren starken Figuren sowie dank eines 50-Millionen-Budgets. Zweieinhalb bewegende Lehrstunden.

„Lincoln“ von Steven Spielberg läuft noch bis mindestens 6.Februar im Breitwand-Kino Seefeld, am 6.2. um 20 Uhr auch in Starnberg.

Lincoln - der Trailer auf YouTube

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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