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Filmkritik: Robot + Frank

Der allein lebende, schon etwas kauzige Frank ist nicht mehr der Allerjüngste. Sohn Hunter findet es deshalb gut, seinem Vater eines Tages einen Pflegeroboter namens VGC-60L mitzubringen, der außer Putzen, Kochen, Gärtnern und Einkaufen möglichst auch noch die fehlende Ansprache für den vereinsamten Mann liefern soll – doch die Dinge entwickeln sich anders als vorgesehen:

„Robot & Frank“ drehen schon bald ihr eigenes Ding. Während der augenzwinkernde deutsche Untertitel des Films - „Zwei diebische Komplizen“ - mal wieder völlig verkennt, dass es sich bei Jake Schreiers preisgekrönter Independence-Produktion eben nicht um ein reines Ganoven-Stück handelt, spricht das US-Original „Friendship doesn't have an off switch“ die eigentliche Botschaft dieses Films aus: Wahre Freundschaft hat keinen Ausschaltknopf!

Wäre die Grundidee von Drehbuchautor Christopher D. Ford in die falschen Hände geraten, man hätte vermutlich eine gagreiche Komödie daraus basteln können – Schreier aber entwickelt aus der „in naher Zukunft“ spielenden Ausgangssituation eine intelligent-melancholische Studie über das Dasein im Alter: Frank (Frank Langella) möchte sich trotz gewisser Vergesslichkeiten nicht bevormunden lassen, schon gar nicht von einem „sprechenden Haushaltsgerät“, wie er störrisch poltert. Frank will auch weiterhin ein selbstbestimmtes Leben führen und sich so seine Würde bewahren. Dass Sohn Hunter (James Marsden) und Tochter Madison (Liv Tyler) sich beide nicht sonderlich viel um den alten Herrn kümmern, trotzdem aber genau zu wissen glauben, was dieser braucht und was ihm noch zuzutrauen sei, ist aber nur eine Seite der tristen Medaille: Frank hat nämlich schon ein ganzes Vorleben als Tresor-Knacker gehabt und denkt gar nicht daran, sich mit einem vom Roboter diktierten Ernährungsplan in den Lehnstuhl zurück zu ziehen.

Und weil aus seinem Widerstand gegen das Abgeschoben Werden sogar neuer, tolldreister Lebensmut erwächst, funktioniert dieser Frank den diensteifrigen „Robot“ (im Original gesprochen von Peter Sarsgaard) zum Einbrecher-Komplizen um: Unter anderem gilt es schließlich, aus der Bibliothek der Kleinstadt die wertvollsten Bücher zu klauen, ehe sie digitalisiert und vernichtet werden. Keine Geringere als Susan Sarandon spielt die ebenfalls von Ausmusterung bedrohte Bibliothekarin, für die Frank schon so lange schwärmt...

„Robot & Frank“ äußert ein leises Bedauern über eine immer pragmatischer, immer ökonomischer sich gebärdende Welt. Ein Stirnrunzeln über den schleichenden Verlust des Emotionalen, über verkümmernde Familienstrukturen und den allgegenwärtigen Einzug der Technik in unserem Leben. Der bei Robert Redfords „Sundance Festival“ als bester Film ausgezeichnete Beitrag wird
leider nicht lange in den deutschen Kinos zu sehen sein – die „Blockbuster“ zur Weihnachtszeit werden ihn zur Seite schieben wie einen alten Mann.

Nur noch diese Woche im Breitwand-Kino Herrsching.

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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