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Filmkritik: Silver Linings

Warum ist es in vielen US-Filmen nur immer wieder schier unausweichlich, dass am Ende alles vom Ausgang eines Football- oder Baseball-Spiels abhängt? „Silver Linings“ von David O. Russell wäre eigentlich eine wundervolle Liebesgeschichte zweier gestrauchelter Außenseiter gewesen, doch die wirklich gnadenlose „amerikanische“ Philosophie des „Do or Die“ behandelt die Sache in diesem Zwei-Stunden-Film letztlich nur wie ein gut ausgegangenes Sport- und Wett-Ergebnis.

Dabei sind die beiden Hauptfiguren Pat (Bradley Cooper) und Tiffany (Jennifer Lawrence) wie gemacht für ein romantisches Drama voller Brüche, Irritationen und Leidenschaft – denn „Silver Linings“ bedeutet so viel wie „Hoffnungsschimmer“: Pat ist gerade von seiner Mutter aus der Psychiatrie abgeholt worden, nachdem er offenbar acht Monate zuvor einen Kollegen seiner Frau Nikki (Brea Bee) mit dieser unter der Dusche erwischt und zusammengeschlagen hatte. Noch immer ist dieser Pat traumatisiert und wie ein wandelnder Vulkan, doch hat er sich fest vorgenommen, ein neues Leben zu beginnen – mit seiner Frau, die jedoch vorerst eine unerreichbare Projektion für ein glückliches Leben zu sein scheint. In dieser noch instabilen Phase begegnet ihm Tiffany, eine junge Frau, die vom Tode ihres Mannes selber schwer aus der Bahn geworfen wurde und sich nach wahllosen sexuellen Eskapaden und  Job-Verlust wieder fangen möchte. Zwei Verwundete, gefangen in ihrer jeweiligen Vorgeschichte, treffen da aufeinander. Misstrauisch beäugt von ihren Familien und in Pats Fall auch von der Polizei, sucht jeder irgendwie Boden unter die Füße zu bekommen: Pat träumt trotz Kontaktverbots von einer Wiederannäherung an Nikki, indem er lesend ihre Literaturliste abarbeitet; Tiffany will ihrem Leben dadurch eine Art Ordnung geben, dass sie (mit Pat) für einen Paartanz-Wettbewerb trainiert – doch es ist beinahe erwartbar, dass Pat und Tiffany zunächst aneinander vorbei reden, obwohl sie zu spüren scheinen, wie ähnlich sie einander sind.

Das Zarte, Zerbrechliche an dieser aufkeimenden Freundschaft/Liebe, es wird von der Umgebung leider immer wieder bedroht: Pats Vater (Robert DeNiro) ist ein Zwangsneurotiker, dessen einzige Lebensinhalte das Football-Team seiner Heimatstadt Philadelphia und das Wetten zu sein scheinen – man bekommt sogleich eine Ahnung, warum Pat so wurde, wie er ist. Die Mutter, sein offenbar im Leben erfolgreicher Bruder, ein Wett-Partner von Pat senior, einige Freunde und ehemalige Mit-insassen aus der Psychiatrie – sie alle wirken immer wieder wie skurrile Zaungäste bei Pats noch unfertigem Lebensentwurf. Doch der Film lässt trotz dieser interessanten Typen leider keine Gele-genheit aus, alles auf die platte Ebene einer großen Wette und einer Sportkonkurrenz zu reduzieren: Dank der bemerkenswerten schauspielerischen Leistungen von Jennifer Lawrence und Bradley Cooper geht die Beziehungsintensität nicht ganz verloren in diesem patriotischen Football-Getöse, und am Ende geht alles irgendwie gut aus. Doch ein dringender Wunsch bleibt noch: Robert DeNiro sollte allmählich aus der Schublade des ewigen Kontroll-Freaks wieder heraus finden, so gut er darin auch sein mag.

„Silver Linings“ läuft noch bis mindestens 30.Januar täglich im Breitwand-Kino Starnberg.

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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