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Filmkritik: Take this waltz

Margot ist 28, lebt als freie Texterin im kanadischen Toronto und hat große Angst davor, „zwischen zwei Sachen“ zu geraten. Genau dies geschieht aber, als die mit dem angehenden Kochbuch-Autor Lou mehr oder weniger  glücklich verheiratete junge Frau im Flugzeug den ein Jahr älteren Daniel kennenlernt: Daniel ist Maler, verdient sein Geld mit Rikscha-Fahren und wohnt, wie sich bald heraus stellt, in unmittelbarer Nachbarschaft. Der Filmtitel „Take this waltz“ bedeutet so viel wie Aufforderung zum Tanz - für Margot (Michelle Williams) zum Wagnis eines neuen Lebens.

Der jungen kanadischen Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Sarah Polley (Regie-Debüt 2006 „An ihrer Seite“) ist mit ihrem neuen Film ein genau beobachtetes und zugleich sehr berührendes Dreiecksdrama gelungen: „Take this waltz“ nimmt sich mit großer Behutsamkeit der Situation an, wenn für zwei einander höchst vertraute Menschen ihr bislang gültiger gemeinsamer Lebensentwurf durch einen Dritten in Frage gestellt wird und Brüche bekommt. Michelle Williams als Margot geht ihren Weg von der ersten Gefühlsirritation durch Daniel (Luke Kirby) bis zur konsequent-schmerzlichen Änderung ihres Lebens mit ergreifender Glaubwürdigkeit. Ohne viele Worte ist zu spüren: Diese junge Frau ringt mit den widerstreitenden Emotionen, die sie einerseits ihrem Mann Lou (Seth Rogen), schon bald aber auch dem zunächst wohltuend zurückhaltenden Daniel entgegen bringt. Die zum Leidwesen von Margot noch kinderlose Ehe scheint auf den ersten Blick harmonisch und warmherzig zu sein, wirkt in manchen Momenten jedoch auch ein wenig in Routine erstarrt: Als sich das Paar in einer von etlichen verspielten Szenen wie Geschwister auf dem Küchenboden balgt, sagt sie plötzlich: „Entweder Kuss oder Baby-Spiel!“

Diese Margot wirkt auf einmal wie von einem Anderen (Daniel) „wach geküsst“ und scheint sich nach einer „erwachsenen“ Beziehung zu sehnen, die noch Entwicklungspotenzial verspricht. Lou ist gewiss kein schlechter Kerl und er liebt Margot über alles, aber als Metapher der überschaubaren Variationen seines Glücks darf man getrost die fast täglich im häuslichen Backrohr zubereiteten Hühner betrachten, die Lous erstes Kochrezepte-Buch bevölkern sollen. Daniel indes trifft mit seiner unverstellten und doch sanften Art einen Nerv bei Margot, und so treibt sie auf ihn zu wie eine Schiffbrüchige.

In einer großartig verdichteten Szene genießt Margot bei einer Karussell-Fahrt den schon fast vergessenen Rausch des intensiven, glückseligen Augenblicks – die passende Musik zu dieser schwindelerregenden Sause: „Video killed the radio star“. Gleich darauf geht das Licht an, und die nüchterne Wirklichkeit hat die Heldin wieder. Margot wird ihrem Herzen folgen, aber der Film feiert dies nicht etwa als einzig „richtigen“ Weg: „Take this waltz“ wird sachte ein Fragezeichen setzen hinter die durchaus schwerwiegende Entscheidung, ein „altes“ Leben gegen ein „neues“ einzutauschen. In geraffter Form deutet er an, dass eben nicht alles Neue unbedingt auch das Glück bedeuten muss, weil es sich eben auch abnutzt: „Auch das Neue wird irgendwann alt“, sagt eine Frau. Und nicht alles ist immer nur „Walzer“ wie beim Wiener Opernball.

„Take this waltz“ wird bis 3.April in den Breitwand-Kinos Seefeld und Starnberg gezeigt – bitte das Tagesprogramm unter www.breitwand.com beachten!

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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