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Filmkritik: Was Frauen morgens um halb vier machen

Wer sich schon immer gefragt hat: „Was machen Frauen morgens um halb vier?“, der wird aus dem gleichnamigen Film von Matthias Kiefersauer auch nur einen Teil der Wahrheit erfahren: Die 89-minütige Komödie erzählt dafür ziemlich bündig von den Existenzproblemen einer Dorfbäckerei, die wegen der Billig-Konkurrenz importierter Fabrik-Semmeln vor dem Aus steht.

Bäckerstochter Franzi Schwanthaler (Brigitte Hobmeier) aber ist eine Kämpfernatur und übernimmt nach dem Herzinfarkt ihres Vaters Josef (Peter Lerchbaumer) kurzerhand das Kommando in der Backstube. Mit Hilfe ihres früheren Kollegen Toni (Thomas Unger) und Dank eines Zufalls entwickelt sie eine rettende Geschäftsidee: Christstollen für den Nahen Osten! So weit, so „rührfertig“, sollte man als Zuschauer meinen, doch gelingen dem Film ganz nebenbei auch noch einige bemerkenswerte Figurenzeichnungen: Da wäre Franzis Schwester Carmen (Muriel Baumeister), die in der Schwanthaler-Familie offiziell als erfolgreiche Architektin gilt, in Wahrheit aber als Kneipenkraft in Berlin gestrandet ist.
An der Rolle der Carmen macht Regisseur Kiefersauer die Themen Heimatverbundenheit und Familienbande fest: Hin und hergerissen zwischen Großstadt und Dorf, modernem Lebensentwurf und dörflicher Vergangenheit wird diese Carmen gezwungen sein, sich zu entscheiden. Der überwiegend außer Gefecht gesetzte Vater Josef ist in seiner patriarchalischen Starrsinnigkeit dagegen der klassische Repräsentant des Überkommenen: Als er wieder aus dem Krankenhaus kommt, hält er die arabischen Großkunden gleich mal für verirrte Faschingsgänger.

Inmitten des  verzweifelten Überlebenskampfes der Dorfbäckerei aber steht eine wahre „Jeanne d'Arc“ des Stollenteigs: Brigitte Hobmeier als Franzi gelingt es, fürs entscheidende, mehrtägige Akkord-Backen einige gute Freunde um sich zu scharen, die das Unmögliche zu schaffen versuchen. So wird der Film vor dem Hintergrund allgegenwärtiger  Globalisierungstendenzen zu einem sympathischen Beispiel für praktische Nachbarschaftshilfe und Solidarität – und dem schnöseligen Bank-Fuzzi und der 10-Cent-Semmel von gegenüber zeigen diese zusammengewürfelten Backzwang-Anhänger mal so richtig, was kreativer Unternehmergeist zu Stande bringt.

Stilistisch hat „Was machen Frauen morgens um halb vier?“ vor allem gegen Ende sicherlich etwas märchenhafte Tendenzen, aber Träumen muss ja wohl noch erlaubt sein.

(der Film läuft im Breitwand Seefeld, 26. + 28.11., jeweils 19.45 Uhr)

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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