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Filmtipp: We need to talk about Kevin

Wer beim gerade zu Ende gegangenen 6.Fünf-Seen-Film-Festival Lynne Ramseys „We need to talk about Kevin“ verpasst hat, wird demnächst in den Breitwand-Kinos des Landkreises Gelegenheit bekommen, das Versäumnis nachzuholen:

Der Film „berichtet“ gleich zu Beginn in Andeutungen von einer Katastrophe, offenbar einem Massaker, das der 16-jährige Kevin (Ezra Miller) an seiner Schule angerichtet hat. Doch das eigentlich Faszinierende ist die nun einsetzende Erzählweise – in Rückblenden, die bis zu Kevins Geburt reichen und sogar die Vorgeschichte seiner Mutter Eva (Tilda Swinton) einbeziehen, wird mit kühlem Blick der Weg nachgezeichnet, der in diese Tragödie mündet: Das Kind, das von Anfang an unzugänglich, ja unheimlich erscheint; die zunehmende Hilflosigkeit der Mutter, die oberflächliche Distanz des Vaters (John C. Reilly), dem wenig anderes einfällt als Sätze der Qualität „Jungs sind nun mal so“.

Man müsste eigentlich längst ernsthaft reden über diesen rätselhaften, verschlossenen, unterschwellig aggressiven Kevin, aber keiner tut es. Sämtliche Kommunikationsbemühungen der durchaus gebildeten Mutter prallen ab an diesem Kind, Versuche zärtlicher Annäherung werden von dem offenbar hoch intelligenten, nahezu feindseligen Knaben immer wieder schroff zurückgewiesen. Es scheint Schlüsselszenen zu geben in diesem heranreifenden Leben, wie in einem Brennglas festgehaltene Momente der negativen Weichenstellung, aber wirklich greifbar wird die zunehmend befremdliche Entwicklung Kevin's weder für Eva, noch für den Zuschauer.

Und so entwickelt der Film einen kalten Sog der Unausweichlichkeit: Da wächst ein Monster heran, und niemand wird es noch aufhalten können. Sämtliche Erziehungsratgeber und psychologischen Deutungsmuster versagen hier – und die sich anbahnende, planvolle Katastrophe schickt ihre düsteren Botschaften voraus. „We need to talk about Kevin“ (deutsch synchronisiert!) ist ein kühles Meisterwerk, das keinerlei Trost bietet und sich mit Schuldzuweisungen und moralischen Stellungnahmen weitgehend zurückhält. Der immer wieder unfassbaren Realität kommt der Film vielleicht genau deshalb sehr nahe.

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

Kommentare

Hey, eine wirklich tolle Rezi!

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