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FSFF: Die Sache mit den Warzen - "Tom und Hacke"

Die Sache mit den Warzen war besonders aufregend. „Hatte der Hacke echte Warzen?“ will ein Kind nach dem Film vom anwesenden Schauspieler Dietrich Kirchlechner wissen. Und während Kirchlechner sich bemühte, von den Tricks der Filmmaske zu erzählen, wuchs das Warzenproblem in den Köpfen der Kinder weiter und gebar immer neue Fragen zu jener kleinen Hautirritation. Die Kinder hatten recht: genaugenommen fing doch die ganze Geschichte mit einer Warze an, schon bei Mark Twain. Dessen „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ war die Vorlage für den wunderbaren Kinderfilm „Tom und Hacke“, zu dem Rudolf Herfurtner das Drehbuch schrieb und Norbert Lechner Regie führte.

Herfurtner und Lechner verlegten die Geschichte vom Mississippi an den Inn in ein bayerisches Dorf der frühen Fünfziger, wo die Kriegswaise Thomas in der Obhut seiner Tante aufwächst und gemeinsam mit dem verwahrlosten Hacke ein abenteuerliches Nachkriegs-Kinderleben führt. Hinsichtlich der Dramaturgie und Motivik bleibt diese Neuverfilmung dicht am Roman und findet immer wieder passende Parallelen: aus dem zum Außenseiter abgestempelten Indianer-Joe wird hier der „Ami-Joe“, der krumme Schwarzmarktgeschäfte treibt und einen Handlanger in der Friedhofskapelle, als dieser mehr Lohn fordert, kurzerhand ersticht. Die Dorfschule ähnelt der südamerikanischen Sonntagsschule hinsichtlich der vorherrschenden Moral; und die Autorität darstellenden Erwachsenen, der Lehrer und die Tante, sind ebenso streng wie nachsichtig, wie es auch Mark Twains Erwachsene sein dürfen. Dass eine Kleinstadt in der Nachkriegszeit, wo man noch immer auf Kriegsheimkehrer wartet, ein einziger großer – und sehr gefährlicher – Abenteuerspielplatz ist, so wie man ihn in der TÜV-geregelten Gegenwart einfach nicht mehr findet, leuchtet ebenfalls ein.

„Tom und Hacke“ erhält seinen Charme durch die Spielbegeisterung und Authentizität der Kinderdarsteller, die sich wohltuend abheben vom gegenwärtigen Superstar-Gehabe vieler deutscher Erfolgsproduktionen. Benedikt Weber als Tom, Xaver Maria Brenner als Hacke, Julia Forstner als Biggi (das Pendant zu Becky) und all die anderen Kinder lassen die Geschichte lebendig werden und geben ihm zugleich jene Ruhe und Zeit, die ein unbegrenzter Kinderspielnachmittag eben braucht.

Ende des vergangenen Jahres gab es noch eine andere „Tom Sawyer“-Verfilmung von Hermine Huntgeburth; die Buben waren etwas älter, die Geschichte blieb dort, wo sie von Mark Twain angesiedelt worden war, und auch dieser Film blieb dicht an der Romanvorlage. Es fällt schwer, zwischen diesen beiden Neuverfilmungen nun wertend zu vergleichen, waren doch beide ähnlich charmant. Ein Plus für „Tom und Hacke“ ist, dass es bei einer deutschen Nacherzählung konsequenter ist, die Geschichte auch hierher zu verlegen, zumal es ausgezeichnet funktioniert und zu keinem Moment gekünstelt wirkt. „Tom und Hacke“ wird ab Donnerstag auch außerhalb des Fünfseenfilmfestivals zu sehen sein. Dem Film sind viele, viele Zuschauer zu wünschen, so viele, wie Wasser den Inn herunterläuft.

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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