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FSFF-Hauptpreis: Licht, Halbschatten und Finsternis

Der Wettbewerb um den diesjährigen „Fünf-Seen-Filmpreis“ offenbart gravierende Qualitätsunterschiede - man könnte fast sagen, hier treten Schwergewichte gegen Leichtgewichte an.

Eine Bestandsaufnahme der neun eingereichten Filme ergibt klare Favoriten:  „Zwei Leben“ von Georg Maas und „Circles“ von Srdan Golubovic. Die Frage nach dem Umgang mit Schuld ist bei beiden das Thema, und hier wie dort liegen politische Umwälzungen zu Grunde. Sehr berührt zeigte sich das FSFF-Publikum von der in „Zwei Leben“ (Koautor ist der aus Starnberg stammende Christoph Tölle) erzählten Tragödie der Deutsch-Norwegerin Katrine, die von ihrer DDR-Vergangenheit eingeholt wird: Hauptdarstellerin Juliane Köhler liefert dank einer sorgfältig entwickelten Erzählstruktur und kluger Besetzung der Gegenparts eine bewegende Darstellung ab. Die internationale Koproduktion „Circles“ stellt an Hand dreier miteinander verwobener Handlungsstränge die Frage, ob und wie zwischen den einst verfeindeten ethnischen Gruppen des Jugoslawien-Krieges Vergebung und damit ein Zusammenleben möglich ist – ein starker, geduldig aufgebauter Film.

Spannend ist die gut ausbalancierte Drei-Personen-Konstellation in Florian Flickers „Grenzgänger“, die in der österreichischen March-Au angesiedelt ist: Ein Grenzsoldat verguckt sich in die attraktive Frau eines Fischers. Der schleust mit seinem Kahn heimlich Flüchtlinge durch die Sümpfe und fördert den Flirt seiner Frau sogar noch, nur um seinen illegalen, einträglichen Geschäften weiter ungestört nachgehen zu können – es kommt zur Katastrophe.

Hüseyin Tabaks sensibler Film „Deine Schönheit ist nichts wert“ ist zugleich der Titel eines Gedichts und thematisiert das von großer Unsicherheit und Angst geprägte Leben von Asylbewerber-Familien in Wien: Der zwölfjährige Veysel, Sohn einer Türkin und eines kurdischen Vaters, träumt von einer Zukunft ohne diese Angst. Vielleicht hat er eine Chance, wenn er das Gedicht auswendig lernt und ein hervorragender Schüler wird? „Meine Schwestern“, ein deutscher Wettbewerbsbeitrag von Lars Kraume, dreht sich um eine Frau, die wegen eines chronischen Herzfehlers vor einer schweren Operation steht und fürchten muss, dass ihr Leben schon mit 30 zu Ende ist – Zeit für die vielleicht letzte Reise mit den Geschwistern und für eine Bilanz untereinander: Sehenswert, aber nicht ganz auserzählt.

Im Vergleich dazu erschreckend belanglos bzw. handwerklich mangelhaft sind zwei Filme, die zumindest im Hauptwettbewerb eigentlich nichts zu suchen hatten: „Halbschatten“ (Regie: Nicolas von Wackerbarth) findet es öde 80 Minuten lang berichtenswert, einer Frau von Ende 30 in einem südfranzösischen Ferienhaus dabei zuzusehen, wie sie sich sommerlich langweilt: Romuald, dessentwegen sie dorthin gereist war, taucht nicht auf, und so bleibt Merle offenbar nichts anderes übrig, als sich mit seinen Kindern auseinander zu setzen und über die eigene Perspektive im Leben nachzusinnen - „Nouvelle vague“ für Touristen?

Sogar vollkommen missglückt ist der formale Ansatz bei „Das merkwürdige Kätzchen“ von Ramon Zürcher: Wenn man schon nichts zu erzählen hat (alles „spielt“ in einem familiär überfüllten Haus mit Küchenzeile), dann sollten wenigstens Kameraeinstellung, Blickgeometrie und Beleuchtung stimmen. Auch dramatisierender Cello-Einsatz nutzt da wenig – merkwürdiges, zusammenhangloses Filmchen.

Im Stile eines rasanten Comics beginnt die Sohn-vermisst-Vater-Geschichte „Cyanure“ der Schweizerin Séverine Cornamusaz – um sich dann doch seriös mit der Frage zu beschäftigen, wohin sich ein 13-jähriger Junge bei instabilen Verhältnissen orientieren soll: Erfrischend unkonventionelles Drama. Von schwererem Kaliber ist wiederum der georgische Beitrag „Blütezeit“, der das  moderne Selbstverständnis zweier junger Frauen der Post-Sowjet-Ära beschreibt: Auch zwischen den Geschlechtern haben sich die Machtverhältnisse verschoben, doch die Männer haben's oft noch nicht kapiert.

Fazit des Hauptwettbewerbs 2013: Teils herausragende Filme, aber auch zwei völlige Flops – „weniger" wäre mehr gewesen, aber es ging wohl auch um die zu wahrende Länder-Parität.

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Kulturwelle5 Rezension: "Zwei Leben"
Kulturwelle5 Rezension: "Halbschatten"

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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