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FSFF Horizonte-Film: "Metamorphosen"

„Wir sind Versuchskaninchen. Sie wollen wissen, wie wir überleben“. Die ganze Welt spricht über Tschernobyl und Fukushima, aber über den dritt schlimmsten kerntechnischen Unfall in Majak, einem kleinen Dorf im Süd-Ural ist nichts bekannt. Jungregisseur Sebastian Mez hat darüber einen künstlerisch sehr wertvollen Dokumentarfilm gedreht. „Metamorphosen“ ist ein in schönster Schwarz-Weiß-Ästhetik gedrehter Film über die Folgen des Unfalls, dessen poetische Bilder im krassen Gegensatz zu dem Erzählten stehen. Beschönigen tut er deswegen noch lange nichts.

Majaks Plutoniumfabrik wurde unter Stalin kurz nach dem zweiten Weltkrieg für die Produktion von Material für sowjetische Atombomben errichtet. Die radioaktiven Abfälle werden in die umliegenden Gewässer geleitet. 1957 explodierte dort ein Stahltank und setzte Riesenmengen an radioaktiver Strahlung frei. Der Unfall wurde erfolgreich vom sowjetischen Regime geheim gehalten, bei den Einheimischen wurde er heruntergespielt und noch heute schlägt der Geigerzähler in tausendfacher Höhe aus.

Sebastian Mez reiste in das Gebiet, ohne Drehgenehmigung. Er sprach mit den Menschen und ließ sich ihr Schicksal erzählen. Mit einem Mann, der seit dem Unfall an zahlreichen Krankheiten leidet. Mit einer Frau, die damals als elfjähriges Kind tagelang bewusstlos war und grünen Durchfall hatte, ihr Bruder hat alle Haare verloren, ihre Mutter war schwanger und hat ein schwarzes Baby geboren. Eine Totgeburt, die Lunge war geschädigt. Unglaublich aber wahr: Die Bewohner des Dorfes wurden nach dem Unfall nicht evakuiert. Im Gegenteil - sie wurden dazu angehalten, das Gemüse in der Erde zu vergraben. Es sind  ergreifende Schicksalsgeschichten, die aus dem Off erzählt werden und als Texttafeln unter den poetischen schwarz-weiß Bildern laufen. Denn Mez fängt die karge Landschaft in kontrastreichen differenzierte Grautönen ein, die zart ihre Strukturen sichtbar werden und Birkenwälder erstrahlen lassen. Die künstlerisch anspruchsvollen Aufnahmen sind aus einer Fotografietechnik entstanden, die der Regisseur auf bewegte Bilder übertragen hat. Durch die Verwendung eines Spezialfilters entstehen dadurch seltsam artifizielle Effekte wie „Glows“, die bisweilen sogar um die Silhouetten der Personen liegen, so dass auch sie zu strahlen scheinen. Fazit: Ein künstlerisch sehr hochwertiger und sehenswerter Film.

Die Bewohner sind inzwischen umgesiedelt worden in ein neu errichtetes Dorf. Es liegt nur drei Kilometer weiter. Der Reaktor ist noch in Betrieb.

Wer mehr über Sebastian Mez erfahren will, dem sei das ausführliche interview auf der Seite www.daumenkinos.wordpress.com/.../im-interview-sebastian-mez-uber-seinen-film empfohlen.

"Metamorphosen" läuft in der Lounge des Breitwand Kino Seefeld am 30.07. um 19:00h.

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Die Website zum Film: metamorphosen-film-com

 

 

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

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