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FSFF: Interview zu "Erlesene Welten" mit Gert Wilden jun.

Als eine Hymne an das Buch und das Lesen beschreibt die Dokumentarfilmerin und Grimme-Preisträgerin Beatrix Schwehm ihren Film „Erlesene Welten“, der in der Reihe „Horizonte“ auf dem FSFF gezeigt wird.  Der Film erzählt von Büchern und Menschen, die in entlegenen Winkeln der Welt ihrer Leidenschaft, dem Lesen, nachgehen. Da ist ein bengalischer Architekt, der Bibiotheksboote erfunden hat, ein mongolischer Schriftsteller, der jeden Sommer Kinder in abgeschiedenen Gebieten mit Lesestoff versorgt oder ein kenianischer Bibliothekar, der seine Kamelkarawanen mit Bücherkisten belädt.

Die Musik zu „Erlesene Welten“ machte Gert Wilden jun., der Sohn des bekannten Filmkomponisten Gert Wilden sen. aus Tutzing. Dieser hat einmal behauptet, dass sein Sohn der wesentlich bessere Musiker und Komponist sei. Gert Wilden jun. wuchs am Starnberger See auf und hat am Tutzinger Gymnasium sein Abitur absolviert, studierte am Richard Strauss Konservatorium in München, spielte in zahlreichen Schülerbands und trat Jahre lang als Jazzmusiker auf, bevor er als Filmkomponist begann. Seine größten Erfolge? Die Musik zu „Taxi Lisboa“, für zahlreiche Vilsmaier-Filme, die Klavierkompositionen zu „Sophie Scholl“ und der Oscar-Film von Florian Gallenberger „Quiero Ser“. Am Mittwoch und Donnerstag ist auf dem Filmfestival der Dokumentarfilm „Erlesene Welten“ von Beatrix Schwehm zu sehen, eine Hymne an das Buch und das Lesen. Ein Gespräch mit dem Filmkomponisten Gert Wilden jun.


Herr Wilden, wann beginnen Sie denn mit der Arbeit an einem neuen Film?

Meist wenn der Film im Rohschnitt fertig ist.

Und wie fangen Sie an?

Grundsätzlich geht es ja zuerst darum, mit dem Regisseur zu klären, welche Aufgabe die Musik in dem Film haben soll. Musik kann ja viel mehr als nur  Emotionen steigern oder Spannung hochjagen. Ein und dieselbe Szene hat eine völlig andere Bedeutung, je nachdem welche Musik darüber schwebt.

Können Sie das noch etwas mehr erklären?

Wenn sich in einer Szene zwei Mädels streiten, kann ich mit der Musik die Dramatik steuern. Ich kann für Ernsthaftigkeit und psychologische Tiefe sorgen, ich kann aber auch das Ganze ironisch kommentieren und mit der Musik sagen: „Hey Mädels, ihr habt aber ein Problem. Jetzt nehmt euch mal nicht so ernst!“

Nun ist das aber in Dokumentarfilmen wie „Erlesene Welten“ ganz anders. Wo setzen Sie da an?

Der Film von Beatrix Schwehm fasziniert mich. Er bringt wunderbar zum Ausdruck, welch ein erschütternd großes Ding ein Buch ist. Bücher transportieren Gedanken von einem Geist zum anderen und wenn dazwischen Riesenentfernungen liegen, wie in dem Film, dann spielt das Buch in solchen Gesellschaften noch eine elementare Rolle, ähnlich wie sie in unserer westlichen Kultur während der Aufklärung war. Das ist uns inzwischen in der Schnelllebigkeit unserer Informationsgesellschaft längst verloren gegangen. Ich wollte mit der Musik die innere Faszination dieser Menschen spürbar machen. Diese Faszination des Lesens, denen die Menschen in Kenia, in der Mongolei oder in Bangladesch unterliegen, die in entlegendsten Winkeln der Welt leben und zu denen die Bücher mit Booten und Kamelen gebracht werden.

Dann müssen Sie ja auch in die Klangwelten dieser Kulturen eintauchen.

Das wäre nur der TUI-Effekt. Das stilistische Lokalkolorit ist aber nur der Lack an der Oberfläche - im Wesentlichen mache ich ja ganz etwas anderes. Das Entscheidende an Filmmusik ist der konzeptionelle Einsatz. Hier ging es mir um die charismatische Anziehungskraft, die von einem Buch ausgehen kann.


Am Mittwoch, 1.8. um 17 Uhr im Breitwand in Seefeld und am Donnerstag 2.8. um 18.15 Uhr in der Schlossberghalle in Starnberg.

(Dieses Interview erschien am 30. Juli 2012 im Starnberger Merkur)

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

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