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FSFF-Kurzkritik: "Hinter der Tür" mit Martina Gedeck und Helen Mirren

Starke Frauen, schöne Bilder und ein Hammerthema, das uns alle angeht. "Hinter der Tür" von István Szabó, nach dem gleichnamigen Roman von Magda Szabó, ist ein wunderbarer Film über das alte Osteuropa mit seiner Naturverbundenheit und die neue Welt und den geistigen Aufbruch Ungarns in den 1960er Jahren.

Vor allem aber ist es ein Film über den Umgang mit alten Menschen. Im Vordergrund stehen die beiden Frauen Emerenc (Helen Mirren) und Magda (Martina Gedeck), die eine Putzfrau, betagt, erdverwurzelt, archaisch, intuitiv, streng, spröde und raunzig, die andere Schriftstellerin, jung, schön, intellektuell, eine grande Dame. Letztlich ist es ein Film "über die Trägheit des Herzens", wie Martina Gedeck in der Schlossberghalle sagte, über Unachtsamkeit und Gedankenlosigkeit im Umgang miteinander, der nicht immer einfach ist, wenn zwei so gegensätzliche Charaktere gleichberechtigt nebeneinander stehen. "Das hat man fast nie, das sich im Film zwei starke Frauen ohne Mutter-Tochter-Beziehung oder ohne erotische Konkurrenz  begegnen", stellte Marina Gedeck fest.

Die gebildete Schriftstellerin Magda stellt die rätselhafte  Emerenc als Haushälterin in ihrer Wohnung ein, die in einer kleinen Budapester Straße liegt. Emerenc lebt nebenan hinter verschlossenen Türen und lässt niemanden in das Innere blicken, genauso wenig, wie sie ihr Herz leichtfertig anderen öffnet. Beladen mit Schuldgefühlen, deren Ursachen in der Vergangenheit liegen, und die sie gekonnt hinter ihrer rauen Fassade verbirgt, arbeitet sie ihre harten Schicksalsschläge der Vergangenheit ab. Jahraus, jahrein schippt sie Schnee und kehrt das Laub vor ihrer Türe.  Sie geht hart mit sich selbst ins Gericht, ist aber auch genauso schonungslos ehrlich mit Magda, für die sie gleichermaßen Zuneigung und Abneigung empfindet. "Es gibt zwei Arten von Menschen: Die, die fegen und die, die fegen lassen. Jesus hat gefegt", haut sie der schön gekleideten Magda vor dem Kirchgang an den Kopf. Und sie ist der Überzeugung, dass jeder das Recht hat, selbstbestimmt in den Tod zu gehen. Als sie sich todkrank hinter ihrer Tür einigelt, brechen die Konflikte um Respekt, Achtung, Würde des Menschen auf. "Ich tötete Emerenc" ist der erste Satz der Romanvorlage von Magda Szabó, die übrigens mit dem Regisseur nicht verwandt ist.

Der Film stellt große Fragezeichen und er lebt - natürlich- von den großen Schauspielern und der satten, opulenten Bildästhetik. Nur noch heute auf dem Filmfestival. In Dießen im Augustinum um 20.30 Uhr.

 

 

 

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

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