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Gebrauchsphilosophie im Wartesaal: Josef Brustmann in Feldafing

Zur Eröffnung des neuen Rathauses im historischen Feldafinger Bahnhof hatte der Kunst- und Museumsverein am Samstagabend Josef Brustmann mit seinem neuen Programm „Ich bin so frei“ von der anderen Seeseite herübergebeten: Der Musikkabarettist aus Icking erzählte und sang vor ausverkauftem Haus bis in den späten Abend hinein Autobiografisches, Nachdenkliches, Merkwürdiges und Heiteres.

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„So was hat ned a jeder“, kommentierte Brustmann die zum eleganten Kultursaal mutierte ehemalige Wartehalle. So was hat ned a jeder, das könnte man auch über die große Freiheit sagen, die Brustmann mit seiner feinsinnigen Gebrauchsphilophie aus der Freude an so mancher kleinen und zuweilen auch nur winzigen Freiheit erwachsen lässt. Die große Freiheit seiner Kindheit in der Flüchtlingssiedlung Waldram, das waren die Sommerferien, die Isar, das Indianerspielen und das Schwarzfischen. Die große Freiheit seines Erwachsenenlebens, das ist das Rudern auf dem Starnberger See, aber auch die künstlerische Freiheit, die er nach vielen Jahren in verschiedenen Formationen mit seinen Soloprogrammen genießt. Und die musikalische Freiheit, gema-frei auf der Bühne zu machen, was er will. Dazu gehört es auch, auf der Bühne einen kleinen Drachen steigen lassen und nichts dazu zu sagen. Oder einem Goldfisch in Leoni die Freiheit zu schenken und ein Lied darüber zu schreiben. Eigene Gedichte vorzutragen, über das eigene Leben zu sprechen, mit leiser Melancholie, aber auch mit einer gewissen Selbstironie, die dieses sehr persönliche Programm von der üblichen kabarettistischen Besserwisserei und Aneinanderreihung von Pointen sehr deutlich abhebt.

Brustmann nimmt sich die Freiheit, den Abend mit den Zugaben zu beginnen oder eine Begleitband durch schnöden Sound vom Band zu ersetzen und wie ein Straßenmusikant dazu Tenorhorn zu spielen. Er denkt darüber nach, ob ein Sechser im Lotto die große Freiheit ist oder der Campingbus, mit dem man nach Italien fährt. Oder vielleicht doch nur das Fernsehschauen mit der geliebten Frau und der schnurrenden Katze auf dem Sofa. Die grandiose Schönheit unsere Landschaft legt für ihn die Vermutung nahe, dass „der Herrgott ein schwuler Dekorateur“ sein muss, und Kants kategorischen Imperativ fasst er dahingehend zusammen, dass es „ja sei kannt, dass so a Henna kema kannt, die den Kant gar ned kenna kannt“, und die einer anderen dann doch den Mann ausspannen könnte.

Altbekannte musikalische Zwischenstationen wie das bayerische Alphabet und das von Hans Well geliehene Lied über den Herrgott, der schon längst aus seiner Kirche ausgetreten ist, gehörten ebenso zu diesem Abend voller großer und kleiner Freiheiten wie die auf die Feldafinger hingesungenen deftigen Gstanzl zum Schluss: „Wer an Geschmack hat und schlechte Nerven, der kann schon gehen“, sagte Brustmann vorher. Aber bei aller Freiheit: Er selbst durfte erst nach mehreren Zugaben und sehr nachdrücklichem Applaus gehen.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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