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Geschwister Well im Bosco, Fein sein, beinander bleibn!

Es war einer jener Abende im Gautinger Bosco, die schon ausverkauft sind, bevor sie überhaupt angekündigt werden. Wer eine Karte ergattert hatte, der kam mit großen Erwartungen.

Noch in der Pause sagte eine Dame zu ihrem Begleiter: „Waren die nicht früher besser, also irgendwie schärfer?“ Ja, wie waren sie denn jetzt eigentlich, die Wellküren Bärbi, Burgi und Moni Well, die sich mit ihren zwei Restbrüdern Stofferl und Michi von der zerstrittenen Biermösl Blosn und dem Ergänzungsbruder Karli Well zu den „Geschwistern Well“ neu formiert haben und am Samstagabend zur öffentlichen Generalprobe für ihr Programm „Fein sein, beinander bleibn“ ins Bosco gebeten hatten, zu einer „Well-Uraufführung“ vor der eigentlichen Uraufführung in den Kammerspielen?

Die vielkolportierte Geschichte von den 15 Geschwistern der Familie Well, die allesamt ein Instrument lernen durften oder mussten und mit ihren Eltern „quasi in einem Dauer-Hauskonzert“ lebten oder bei Sparkassenjubiläen und Hochzeiten auftraten, liegt auch dem neuen Programm zugrunde, für das sich die Wells mit dem Regisseur Franz Wittenbrink zusammengetan haben. Anders als 2005 beim mehr oder weniger stillschweigenden Auswechseln einer Well-Schwester wird aber bei dieser „Familienaufstellung auf volksmusikalischer Basis“ das Spannungsfeld hinter den Kulissen der Großfamilie ausdrücklich thematisiert.

Das Highlight des beinahe dreistündigen Abends ist denn auch ein mit Instrumenten ausgetragener Streit mit anschließender Versöhnung: ein Gedrängel, Geplärre, Geschimpfe, Gezeter, ein Tuba-Machtwort, ein Mulitinstrumental-Kleinbeigeben, ein Klarinetten-Schmollen und ein Posaunenzug-Streicheln. Und apropos multinstrumental: Die Geschwister fahren an diesem Abend Flöten, Saxofone, Alphörner und Tuben in allen Größen auf, außerdem Ukulele, Geige, Cello, Kontrabass, die legendären Nonnentrompten und noch einiges mehr auf. Das Schöne aber ist, dass sie alle Instrumente auch wirklich virtuos zu spielen wissen und dass dieses Programm durch eine überbordend wilde Musikalität und nicht zuletzt durch das herausragende Trompetenkönnen von Christoph Well leuchtet. Wer hier kabarettistische Schärfe vermisst, der hat bei den Liedtexten nicht hingehört: „40 Cent“ etwa heißt der hochpolitische Milli-Rap und der endgültige Abgesang auf die CSU endet mit einem Blick in Seehofers Darmausgang.

Das Gautinger Publikum hörte die Generalprobe eines Programms, das als Probenabend konzipiert ist: Einer kommt zu spät, einer liest seinen Text vom Zettel ab, das Handy läutet und es wird gestritten. Zu den inszenierten Patzern kommen an diesem Abend noch ein paar echte kleine Unsicherheiten und Stolperer hinzu. Und das ist nun tatsächlich das Allerbeste an diesem Neustart: Von allen Beteiligten ist endlich die bleierne Routine abgefallen, die ihre Auftritte in den letzten Jahren geprägt haben.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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