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Grand Budapest Hotel: Stefan Zweig im ICE-Tempo

Auf Wikipedia ist zu lesen, dass Regisseur Wes Anderson zu „Grand Budapest Hotel“ von dem „ihm bis dahin unbekannten Autor Stefan Zweig“ inspiriert wurde – und so sieht dann der Film auch aus: Grell-opulentes Kino, Starbesetzung statt inhaltlicher Tiefe und eine zuckrige Hommage an die Zeit zwischen den Weltkriegen, als wären die Jahre 1914 bis 1939 nur eine einzige Operette gewesen.

Allein die Hauptdarstellerin, das „Grand Budapest Hotel“, nachempfunden dem „Palace Bristol in Karlsbad“, erscheint wie eine bunte Riesentorte: Erzählt wird die Geschichte dieses spektakulären Prachtbaus in Rückblenden und als Liebeserklärung an den vermeintlichen Glanz der Habsburger Zeit. „Monsieur Gustave“ (Ralph Fiennes), der langjährige Chefportier des in nebligen Karpaten-Bergen gelegenen Luxus-Tempels, war die Seele dieses Hotels, und der einst von ihm angelernte „Lobby Boy“ Zéro Moustada (Tony Revolori), inzwischen Besitzer des Baus, darf sich nun als alter Mann (F. Murray Abraham) an ihn erinnern. Einem Schriftsteller (Jude Law), der 1968 in dem mittlerweile arg herunter gekommenen „Grand Budapest“  zu Gast ist, erzählt der alte Zéro, was es mit dem unrentablen Hotel auf sich hat, und warum er es nicht übers Herz bringt, es zu schließen.

Regisseur Anderson legt vor allem zu Beginn des Films, genau wie „Monsieur Gustave“, ein atemberaubendes Tempo vor und geizt auch nicht mit Trick-Sequenzen. In kürzeren und längeren Gastauftritten bevölkern nacheinander Mathieu Amalric, Adrien Brody, Jeff Goldblum, Harvey Keitel, Tom Wilkinson, Bill Murray, Edward Norton, Léa Seydoux, Tilda Swinton, Owen Wilson sowie der einzige „echte“ Zentraleuropäer, Karl Markovics die nun folgende Sause durch die Jahrzehnte. Besonders gelungen ist dabei die von William Dafoe fast schon Nosferatu-artig angelegte, böse Figur des J.G. Jopling, Handlanger gieriger Möchtegern-Hotelerben, mit denen sich Monsieur Gustave herum schlagen muss. Doch das eingangs gezündete Feuerwerk verpufft im Laufe der fortschreitenden Hotel-Geschichte immer mehr, denn der Film meint leider, sich doch noch auf Stefan Zweigs Sprache und Motive besinnen zu müssen – aber da ist es leider schon zu spät: Wes Anderson hat sich längst für das optische Spektakel entschieden, pseudo-literarische Einsprengsel haben zu diesem Zeitpunkt keine wirkliche Chance mehr, sie wirken inmitten all des lärmigen Geschehens ziemlich deplatziert und bremsen den zuvor schön dahinrasenden Zug der Handlung regelrecht, ohne Zweig und seiner romantischen Grundhaltung gerecht zu werden. Gegen Ende ziehen sich die wortreichen Epiloge geradezu unangenehm in die Länge, denn der Film muss ja noch seine unterschiedlichen Erzähl- und Erinnerungsebenen „aufräumen“.

Als fulminante Schussfahrt ist „Grand Budapest Hotel“ mit seinen vielen prominenten „Gästen“ durchaus unterhaltsam, als Annäherung an eine versunkene Ära aber untauglich.

„Grand Budapest Hotel“ ist noch bis 2. April im Starnberger Breitwand-Kino zu sehen.

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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