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Großer Bahnhof: Festakt für Petra Morsbach in der Münchner Residenz

Rund 300 geladene Gäste - darunter zahlreiche Freunde und Wegbegleiter aus dem Fünfseenland - waren zur feierlichen Preisverleihung des Jean-Paul-Literaturpreises in den Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz gekommen, wo die Starnberger Autorin Petra Morsbach die Ehrung mit einem strahlenden Lächeln von Kunstminister Dr. Ludwig Spaenle entgegen nahm. Die Autorin wurde mit dem 15.000 € schweren Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, das insgesamt sechs Romane umfasst.  

Kunstminister Spaenle ging in seiner Rede auf die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der Autoren ein und bezog sich damit auf das am gleichen Tag in der SZ erschienene Interview mit der Preisträgerin. Petra Morsbach hatte darin geäußert, dass sie mit dem zusätzlichen Preisgeld „dieses Jahr überleben kann“. „Die Kunst des Schreibens“, so sagte Spaenle, „kostet viel Kraft und Energie“. Er betonte, dass es „Aufgabe der Gesellschaft“ sei, „die Menschen zu begleiten, die diesen Weg auf sich nehmen“. Ob es Zufall oder Kalkulation war, dass ausgerechnet Petra Morsbach im Jubiläumsjahr des eher wenig gelesenen Dichters der Romantik mit diesem Preis geehrt wurde, wollte er dagegen nicht beurteilen. „Jean Paul hätte sich darüber amüsiert“, sagte der Kunstminister, da auch ihr jüngster Roman „Dichterliebe“ ein Künstlerroman sei. Dementsprechend war auch das musikalische Programm gestaltet: Claes-Håkan Ahnsjö sang Lieder aus dem Schumann Zyklus "Dichterliebe", Sun Hee Lee begleitete den Tenor auf dem Klavier.

Martin Mosebach ging in seiner geschliffen formulierten Laudatio vor allem auf Petra Morsbachs Erstlingswerk „Plötzlich ist es Abend ein“, ein 1000-Seiten-Schmöker, der 1995 erschien, nachdem Hans Magnus Enzensberger sich für die Nachwuchsautorin stark gemacht hatte. Petra Morsbach wurde daraufhin „mit einem Paukenschlag“ berühmt, ein Erfolg, den sie nur mit ihrem „Opernroman“ nochmals einfahren konnte, weil dieser seinerzeit im literarischen Quartett vorgestellt worden war.

„Plötzlich ist es abend“ ist ein Roman über den Untergang der Sowjetunion, in dem sich laut Mosebach „neue und alte Wirklichkeiten zu einem neuen Amalgam verbinden“. Die Preisträgerin verwebe “ein großes Zeitpanorama mit einer Biografie“, lobte Mosebach. Nach der Lektüre ersehne der Leser, „dass die Menschen nicht grundsätzlich verurteilt seien zu einer Hölle auf Erden“. „Mit Lebensneid lesen wir von Verhältnissen, die wir nicht leben wollen“, sagte er weiter und stellte die Autorin als realistische Schriftstellerin in eine Reihe mit Emila Zola. „Sie will die Wirklichkeit in lupenreiner Qualität offenbaren“, mit ihrer Sprache richte sie den „Blick durch eine kristallklar geputzte Fensterscheibe" auf die Wirklichkeit, ihre Sprache sei von „strenger Reinheit“,„befreit von lyrischem Ballast“, „reine Faktenprosa“, „frei von Schmelz und Schmalz“.

Petra Morsbach bedankte sich auf ihre Weise - eher spröde. Mit einem Exkurs über Jean Paul, den sie in der Schule beiseite gelegt hat: “Schon allein deswegen hat sich der Preis gelohnt“. “Ich kann nicht so schnell denken, wie er schreibt“, sagte sie, „aber wenn Literatur das soziale Leben zu bessern vermag, dann verdanken wir es ihm“. Ihre Rede beendete sie mit einem Zitat von Jean Paul: „Es ist auf sehr kurzem Flügel ein herrlich froher Flug“.

 

Über den Autor

Astrid Amelungse-Kurth (aak)

freie Journalistin mit Schwerpunkt Kunst, Kultur, Historisches, Tradition und Vermischtes

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