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James Cohen über Frank Zappa

"Jazz is not dead, it just smells funny.“ Ein gewisser Frank Zappa hat das mal gesagt, und zwar mit allem Respekt vor den großen alten Meistern.

Doch das Musikgenie Zappa hat es nicht mit der bloßen Feststellung bewenden lassen. Der Nonkonformist aus Baltimore hat der nach seinem Geschmack damals leicht „anrüchig“ gewordenen, angejahrten Musikrichtung etwa seit 1960 selber immer wieder neues Leben eingeblasen – mal unfreiwillig, mal mit kenntnisreichem Zitieren: Es waren im Grunde lauter Verbeugungen, gepaart mit kräftigem Gegen-den-Strich-Bürsten.

Einer der wohl besten Experten, was das Leben und Treiben des 1993 mit nur 53 Jahren verstorbenen Frank Zappa angeht, gastierte am Freitag bei „Jazz am See“: James („Jim“) Cohen  weiß so gut wie alles über den Mann mit dem diabolischen Kinnbart und darf sich mit Fug und Recht „Zappaloge“ nennen. Der 50-jährige gebürtige Kalifornier tourt mit seinem ungeheuren Knowhow durch Europa, nimmt an Zappa gewidmeten Kongressen teil und hält mit Hörbeispielen aus der Musikgeschichte (nicht nur Zappa, nicht nur Jazz) höchst unterhaltsame Vorträge. Mochte das ziemlich spezielle Thema diesmal auch überwiegend die Hardcore-Fans in die Gemeindebücherei Feldafing gelockt haben – es sollte sich absolut lohnen: „Wisst ihr, was das hier bedeutet?“, fragte Cohen immer wieder seine Zuhörer, wenn er gerade einen vor Anspielungen, Querverweisen und Zitaten nur so strotzenden Zappa-Text sezierte. Und bei den meisten Fragen mussten die Gefragten dann passen, denn die komplexen „Lyrics“ des aus Baltimore stammenden Zappa spielen mit der halben Musikgeschichte von Strawinsky (Klassik) bis Hank Williams senior (Country).

Cohen gab quasi nebenbei Unterricht in amerikanischem Slang und lieferte dazu Einblick in allerlei Schlüpfrigkeiten, die sich Musiker halt so leisten, wenn sie auf Tournee sind und ihnen weibliche Fans ihre Unterwäsche auf die Bühne werfen: Zur Demonstration, was denn mit Zappas drastischer Text-Stelle „Punching an eclair“ gemeint gewesen sein könnte, scheute Cohen in Feldafing auch nicht davor zurück, Schokoladen-Gebäck in einem Damen-Slip zu zermantschen und sich das braun durchfeuchtete Resultat über den Kopf zu ziehen – ja, so wild muss es wohl zugegangen sein, als Frank Zappa den Fans 1976 in New York weis machte, die Band sammle ganz gezielt Unterhosen für eine Patchwork-Decke.

Zappa hasste das politisch Korrekte, hasste die Hippies, stand dem Rhythm & Blues eigentlich näher als dem Jazz, nahm keine Drogen, hatte aber trotzdem „immer Spaß“, wie Cohen versichert. Frank Vincent Zappa, das Objekt seines Fachwissens und seiner Leidenschaft, ist ihm wie ein wandelndes Chiffre, ein ewig zu lösendes Rätsel-Phänomen, Nostalgiker und Zertrümmerer von Musiktradition in einer Person – und Cohen ist sein Deuter, Botschafter und vielleicht größter Fan: Wenn Zappa, der Mann mit den charakteristisch langen Ohren und dem leicht sizilianischen Touch hätte wählen müssen, er wäre lieber kein Weißer gewesen, weil er sich für deren Rassismus schämte. Wenn Jim Cohen einen Wunsch frei hätte, er wäre vermutlich ganz gerne 20 Jährchen früher geboren und Zeitgenosse dieser Musiker-Legende gewesen.

In Feldafing gelang es Cohen, „those good old days“ dennoch lebendig werden zu lassen: „Eine so noch nie dagewesene Bildungsveranstaltung“, hatte Bernhard Sontheim zur Begrüßung gesagt. Auch das stimmte. It just smelt a little funny.

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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