Liebe Besucher der Kulturwelle5,

leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir unser Kulturportal für das Starnberger Fünfseeland nach dreieinhalb spannenden Jahren einstellen.

Falls Sie einen Blick auf die Ereignisse der Jahre 2012 bis Anfang 2015 werfen möchten,
klicken Sie hier.

Wir wünschen allen Kulturveranstaltern und Kulturinteressierten viel Erfolg und alles Gute,
das Team der Kulturwelle5

Juschi bei Joschi: Hinterglasmalerei in Issing

Ein bisschen weit ist es schon zur Galerie Josephski-Neukum in Issing. Der Weg dorthin lohnt sich aber gerade jetzt ganz besonders: Am Samstagabend wurde die Ausstellung „allesHinterGlas“ eröffnet, und Juschi Bannaski aus Aufkirchen gehört zum illustren Kreis der sechs Künstler, die dort noch bis Mitte Oktober ihre Hinterglasmalerei zeigen. Mit dabei sind außerdem Horst Sauerbruch, Heike Pillemann, Heiko Herrmann, Rânebach und Gerhard Stachora.

„Das Schlimmste beim Malen ist der eigene Gestaltungswille“, sagt Juschi Bannaski. Die Hinterglasmalerei hat sie in jüngster Zeit für sich als Verfahren gefunden, um ihre „Geschicklichkeit zu überlisten“. Den Zugang zu dieser Technik fand sie zunächst über Experimente mit bedruckten Folien. Geblieben ist auch in ihren neuen Bildern die für die Künstlerin typische tiefe und inhaltsreiche Farbigkeit: „Farben sind genau wie Klänge Träger von Emotionen. Sie versetzen den Betrachter in Stimmungen und erzeugen Gefühle. Die Farbe erfüllt eine Sehnsucht nach sinnlicher Wahrnehmung“, sagt Juschi Bannaski. Ihre Bildräume entstehen in vielen Schichten, die sie aber jetzt sozusagen in umgekehrter Reihenfolge aufträgt. Während des Entstehungsprozesses eines Hinterglasbildes müsse man auch den „Zustand eines schlechten Bildes aushalten können“, das sei, so sagt sie, „fast wie ein körperlicher Schmerz“. Ganz im Gegensatz zur Leinwand können aber auf dem Glas durchaus auch transparente, scheinbar von hinten durchleuchtete Partien bleiben. An die Stelle der satten, tiefen Farbräume sind so flirrende Lichträume getreten.

„Violettes Grau mit gelber und türkiser Zeichnung“ heißt eines der in Issing gezeigten Bilder, „Rote Komposition“ ein anderes. Dennoch enstehen diese Arbeiten nicht ohne Bezug zur gegenständlichen Welt, sie sind lediglich abstrahierte Eindrücke von Landschaften und Stimmungen, sie heißen „Nebelbunt“ oder „Unterwegs im Gelb“,  manchmal auch „Lichte Wolke – gedeckter Tisch“ oder gar „Hühner“. Sie sind freundlich, interessant, tiefgründig und zuweilen auch abgründig, ein bisschen geheimnisvoll und manchmal schwärmerisch – auf jeden Fall aber so, dass man sie wieder und wieder anschauen möchte.

Gerhard Stachora beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Hinterglasmalerei. Aktuell sind neben einer Reihe expressiver „Menschen-Bilder“ zwei großformatige Arbeiten aus seinem „Murnau“-Zyklus zu sehen. Auch Horst Sauerbruch, langjähriger Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München, arbeitet seit langem in dieser Technik und verwendet als einziger der ausstellenden Künstler neben altem Glas das Trägermaterial Acrylglas, insbesondere bei Großformaten. Oft bezieht er auch die Rahmen ins Bild mit ein. Heiko Herrmann war Gründungsmitglied des Kollektivs Herzogstraße. Eine Lehre als Glasmaler führte ihn ebenfalls schon früh zum Material seiner Wahl. Die Künstlerin Rânebach arbeitete immer wieder im Bayerischen Wald und verwendet als Bildträger mundgeblasenes Glas aus Waldsassen, das sie sowohl mit Aquarell- als auch mit Ölfarben bemalt. Heike Pillemann schließlich entdeckte für sich kürzlich die Hinterglasmalerei, für die sie antike Rahmen und altes Glas verwendet. Menschen im städtischen Raum, Tierwesen, Interieurs entwickeln auch hier die für die Künstlerin typische Bildwelt.

Die Galerie von Klaus „Joschi“ Josephski und Helga Neukum befindet sich in der Wessobrunner Straße 5 in Issing, etwa auf halbem Weg zwischen Dießen und Landsberg. Sie ist samstags und sonntags sowie an Feiertagen jeweils von 14 bis 19 Uhr geöffnet. www.galerie-josephski-neukum.de

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA

Captcha-Sicherheitsfrage gegen Spam-Mail (kommt leider immer wieder vor) Bitte vervollständigen Sie folgende Rechnung: