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Kabarettist Max Uthoff im Bosco

Wer sagte: Schweigen ist Wörtermord? Peter Handke?  Gottfried Benn? Weder noch. Laut Max Uthoff stammt der Satz von Pumuckl, dem roten Kobold (nicht zu verwechseln mit Claudia Roth, von der im Laufe des Abends mit Max Uthoff im bosco auch die Rede war).

„Oben bleiben“, ist der Titel des Programms, mit dem die Kabarettsaison 2012/2013 eröffnet wurde. Oben bleiben, das ist angesichts von Natur- und anderen Katastrophen die vermutlich letztgültige Kunst, beherrscht wird sie von Überlebenskünstlern wie Yussuf Islam, der zu der Zeit, als er noch Cat Stevens hieß, einmal in akute Seenot geriet – schwimmend, versteht sich. Er legte sich mit ausgebreiteten Armen rücklings in die Strömung und wartete darauf, dass Gott hinsah. Und Gott sah hin: da spielte jemand „Toter Mann“ und vertraute sich den Gesetzen der Natur an – die Strömung spülte Cat Stevens zurück an Land. Er wählte sich, glücklich überlebt habend, eine ihm genehme Religion, gewann eine Lächel-Flatrate und blieb fortan oben.

Oben bleiben. Bei Max Uthoff heißt das: eine geschliffene, das perfekte Imperfekt niemals aussparende Sprache über schwarzem Anzug, Hemd und Krawatte. So sehen FDP-Wähler aus, aber FDP-Wähler waren nach der Pause gewiss nicht mehr im Saal nach den messerscharfen Attacken des Kabarettisten. Aber auch andere Parteien und ihre Anhänger gerieten dem Scharfzüngigen ins Visier. So versuchte er, gegenüber der verstaatlichten Regierung und der auf betreutes Regieren durch Karlsruhe angewiesenen Kanzlerin eine wirksame Opposition auszumachen, vergeblich: neben einer altersschwachen SPD und einer flügelzerstritten flügellahmen Linken bleibt als Grüne Hoffnung nur, dass die Särge der heimkehrenden Afghanistan-Soldaten aus nachwachsenden Nadelhölzern stammen. Oben bleiben oder nach oben kommen: beides scheint, aus Wählersicht, eine Route zwischen Skylla und Charybdis zu sein. Doch was ist von Wählern zu halten, deren Profil auf Facebook geschärft wird und die sich ihre Meinung BILDen, während sie doch willfährige Opfer einer durchschaubar verlogenen Werbeindustrie sind?

Es gibt zwei große Themen an diesem an Wortwitz so reichen und Gagtempo rasanten Kabarett-Abend: die Wahrnehmung und den Widerspruch. Max Uthoff präsentiert beide Phänomene in einer Fülle von erlesenen, mit dem Wortpfeil erlegten Sprach-Delikatessen, zubereitet mit schärftsten Gewürzen und angeboten im Sekundentakt, so dass der philosophische Gehalt dieser Köstlichkeiten erst beim Schlucken, sozusagen im Abgang, sich ausbreiten kann. Wahrnehmung ist – das macht die Werbung deutlich – ausgesprochen täuschungsanfällig: spielte die Kategorie Wahrheit hier eine Rolle, so müsste es nach Uthoff von Spatenbier heißen, dies sei das Bier für jene, die ihr Wasser gerne gelb tränken. Widerspruch hingegen ist reflexiv: Begriffe wie „rechtes Gedankengut“ beispielsweise stellen den puren „Widerspruch in sich“ dar. Den schönsten „Widerspruch in sich“ liefert zur Zeit der amtierende bayerische Ministerpräsident: Max Uthoff vermutet, dass er einen Kumpel im Kabinett hat, der permanent mit ihm das Spiel spiele, das den Namen  „Des traust di net“ trägt.

Manchmal ist der Dauerbeschuss der Spitzen dieses durchaus spitzenmäßigen Kabarettisten allzu schnell, manchmal ist auch eine Fehlzündung oder ein Blindgänger darunter, doch ist dies natürlich – siehe oben – ebenfalls eine Frage der Wahrnehmung. Doch so viel Sprachgewalt, so eine Beherrschung des Wortes ist einfach umwerfend. Hier ist ein Wörterretter am Werk, einer, der Sprache oben bleiben lässt, einer, der weiß: Schweigen ist Wörtermord.

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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