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Kopf, Herz und Allerwertester: Christoph Well mit dem Bäsle-Quartett

Kaviar und Kohl: edelste, „gottvolle“ Musik und dazu derbe Korrespondenzen servierten das Bäsle-Quartett und Christoph Well am Donnerstagabend in der ausverkauften Schlossberghalle. Christoph Well, selbst sowohl klassischer als auch kabarettistischer Künstler, hat einige Briefe Wolfgang Amadeus Mozarts an seine Cousine, das „Bäsle“ Maria Anna Thekla ausgewählt und diesen die im Jahr 1777 entstandenen Flötenquartette gegenübergestellt. Die beeindruckende Diskrepanz zwischen dem Edlen und dem Profanen gab dem Abend eine wunderbare Würze.

Vielleicht lag es tatsächlich an der allzu deftigen Ernährung. Im späten 18. Jahrhundert habe sich die Mehrheit des Volkes überwiegend von Kohl ernährt, sagt Christoph Well zu Beginn seiner Lesung aus den legendären „Bäsle-Briefen“ des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart an seine Cousine Maria Anna Thekla. Die Wirkung von übermäßigem Kohlgenuss  ist allgemein bekannt und laut Well „wohl der Grund dafür, dass Mozart dem Verdauungstrakt in diesen Briefen so viel Aufmerksamkeit widmet“. Da ist von Winden die Rede, die der Briefeschreiber hat fahren lassen müssen; davon, dass er erst „aufs Häuserl“ hat müssen, ehe er weiterschreiben könne; und den Rat „Scheissen 's ins Bett, dass' kracht“, kennt man schon aus frühen Vertonungen des musikalischen Genies.
Seine Musik hingegen ist weniger analgeprägt. Das Bäsle-Quartett  – Andrea Ikker, Flöte; David Schultheiß, Violine; Wolfgang Berg, Viola und Ives Savary, Violoncello – spielt die Flötenquartette Mozarts mit so viel nahezu göttlicher Leichtigkeit, feinem Klangbild und ausgefeilter Harmonik, dass man einen ganz anderen Urheber sprechen hört als das wilde Kind der kracherten Briefe. „Diese Flötenquartette sind gottvoll“, sagt Well zu Beginn, „für mich gibt's kaum Besseres.“ Wie gegensätzlich sind doch das ausgefeilt Geistige und das derb Körperliche, und doch stammen sie aus derselben Feder. So liegen also Kopf, Herz und Allerwertester doch recht nah beieinander.

Wolfgang Amadeus Mozart, „der alte junge Sauschwanz“, wird in dieser besonderen Korrespondenz zum Kobold, der mit Wörtern jongliert, ein bauklotzspielender Clown, der mit Jauchzen den hohen Turm wieder umwirft und alles neu zusammenbaut. Dem „Bäsle-Häsle“ werden wilde Schüttelreime präsentiert wie Konfekt auf dem Silbertablettchen, „kracht“ reimt sich auf „Gut Nacht“, „geschissen“ auf „gebissen“. Mit Fäkalausdrücken wird nicht gespart. Und die Erkenntnis, er habe nun „schon wirklich 22 Jahre aus dem nämlichen Loch“ geschissen, wird ebenso mitgeteilt wie den vermutlich von einem Stoßseufzer begleiteten Satz, dass sein „Arsch kein Wiener“ sei.

Ein Narr, ein Spaßvogel, ein wilder Hund ist der junge Komponist, und Christoph Well als Rezitator der Briefe hat sichtlich Vergnügen daran, diese zu interpretieren – so wie auch die vier Musiker mit hörbarem Spaß die Vielschichtigkeit der Komposition entblättern. Und das Bäsle? Ihre Antworten sind nicht bekannt, es darf sich also jeder selber seinen Reim darauf machen, welcher Natur die derart Angeschriebene wohl gewesen sein mag. Gewiss kein Kind von Traurigkeit, aber vielleicht von einer ebenso bezaubernden Attraktivität wie die musikalischen Motive der Flötenquartette.

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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