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Krawall statt Witz: "Lone Ranger" scheitert als Revival

Ein Western in den Fängen moderner Tricktechnik: „Lone Ranger“ von Gore Verbinski wirkt wie ein mit viel zu viel Spielsachen vollgestopftes Kinderzimmer – und mittendrin: Johnny Depp als Indianer-Karikatur.

Die Geschichte vom transkontinentalen Eisenbahnbau zählt zu den großen Gründungsmythen der Vereinigten Staaten – die rücksichtslose Landnahme der Weißen, die Ausbeutung der Arbeiter und das Zurückdrängen der Indianer allerdings weniger. Unzählige Western haben sich mit jener Zeit beschäftigt, viele davon haben sie verklärt, einige wenige waren kritisch. Jetzt macht „Lone Ranger“, von der Walt Disney Company koproduziert, 149 Minuten lang Popcorn-Kino draus.

Irgendwo im "Wilden Westen" des Jahres 1869: John Reid (Armie Hammer) ist der einzige Ranger, der einen Hinterhalt des Oberbösewichts Butch Cavendish (William Fichtner) und seiner Bande überlebt. Der Indianer Tonto (Johnny Depp) findet ihn halbtot in einem Canyon und will ihn schon beerdigen wie die anderen. Doch John wird vom geheimnisvollen weißen Hengst "Silver" ins Leben zurückgeholt, und so muss Tonto dem noch immer an Recht und Gesetz glaubenden John versprechen, ihm bei der Verfolgung der Mörder seines Bruders Dan (James Badge Dale) zu helfen. Wie sich bald herausstellen wird, arbeitet der durch seine ausgesuchte Grausamkeit berüchtigte Killer Butch im Auftrag der Eisenbahngesellschaft, die vom geldgierigen Latham Cole (Tom Wilkinson) im Handstreich übernommen wurde.

Der auf der Vorlage der US-Radio- und TV-Serie „Texas Ranger“ entstandene Verbinski-Film belässt es bei dieser holzschnittartigen Zeichnung von Gut und Böse, meint aber, dem Publikum des Jahres 2013 zusätzlich noch jede Menge dröhnende Action bieten zu müssen. Als würde man es dem Zuschauer nicht zutrauen, historisch-authentische Figuren zu „verstehen“, opfert man die womöglich interessanten und differenzierungsfähigen Rollen dem Krawall oder einer nicht gerade geglückten Komik: Johnny Depps ständige pseudo-schamanische Sprüche sind nicht sonderlich originell und verwirren nur, für eine echte Distanz zum Treiben der Weißen reicht das aber kaum und für ein kluges Korrektiv zum naiven John auch nicht.

Man mag es dem „Lone Ranger“ gerade noch abkaufen, dass er eigentlich eine Parodie auf längst abgenudelte Trivial-Mythen liefern wollte. Doch immer dann, wenn man als Western-Fan auf eine intelligente Überzeichnung wartet, ertränkt das Lärmige jeden derartigen Ansatz: Man wollte eben auch das ganz junge Kino-Publikum und merkte hinterher, dass aus dem beabsichtigten großen Western-Revival ein ans Lächerliche grenzender Zirkus geworden war – nur deshalb gab es als Rahmengeschichte auch den uralten Indianer im Museum, der als „edler Wilder“ einem kleinen Jungen etwas vorflunkern durfte.

„Lone Ranger“ läuft bis 21. August in den Breitwand-Kinos Starnberg und Herrsching.

www.disney.de/lone-ranger

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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