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Martina Ottmann

Auch das musste mal sein: Ein teils begeistertes, teils irritiertes Publikum an einem Sonntagabend, der wie "der Winter meines Missvergnügens" endete: Draußen Schneeregen und drinnen im Bosco eine Martina Ottmann, die den Leuten einiges zumutete - von Diseusen-Kunst bis zur schrägen Vertonung Homer'scher Gesänge als Zugabe.

Manch einer sprach von seiner persönlichen "Schmerzgrenze" und trat die Flucht an, andere jauchzten immer wieder über die Ottmann'sche Lust am Gnadenlosen. "Mehr Frau!" sollte sie sich ja verordnen, wenn es nach den Männern ginge, also bekamen die eine ordentliche Portion Weiblichkeit um die Ohren gehauen - im oberweitenfreudigen Stretch-Kleid und mit dem seit bald 20 Jahren bewährten Song: "Das ist alles Illusion, das ist alles Silikon..." So weit, so vollbusig. Martina Ottmann kreist mit ihrer gut ausgebildeten Gesangsstimme und den musikalische Arrangements ihres Partners Michael Armann schon sehr lange um die Fragen, die "frau" sich so stellt: Warum 50-Plus-Männer sich ab einem bestimmten Punkt im Leben 30-minus-Partnerinnen suchen, warum Blond angeblich toller ist als Brünett, warum die Seele 23 Gramm wiegt, aber das angesetzte Pölsterchen 2,3 Kilo. Klingt mit der Zeit vielleicht ein wenig abgenudelt, wird durch Ottmanns schonungslos-offensive Art aber peppig serviert. Doch ihre wahre Qualität beginnt erst da, wo der Mainstream endet: Bei der akrobatischen Gesangsnummer im Stile von Michelle Pfeiffer ("Die fabelhaften Baker Boys"), bei der hinterher der Notarzt helfen müsste oder ein Herr aus dem Publikum – so sehr hat sich die Sängerin in ihrer lasziven Pose verrenkt. Sehr komisch auch der vertonte "Untergang Griechenlands", ein aus Ouzo-, Euro- und Teuro-Lauten bestehender Chorus.

Martina Ottmann hat an diesem "Bosco"-Abend eine Art "Best of" aus 18 Jahren Bühne dargeboten, aber leider nicht bedacht, dass diese einzelnen Kostbarkeiten und Schrägheiten nicht so recht zueinander passen mochten – wer sie schon mal erlebt hatte, freute sich übers Wiederhören, wer zum ersten Mal "Ottmann pur" genoss, der war womöglich überfordert. Im Publikum war zu spüren, dass Manche irgendwann ausstiegen und nicht so recht wussten, was die Nummer mit dem "Louis-Vuitton"-Politiker-Koffer(er), Karl Lagerfelds Hündchen mit dem französischen Akzent oder das Lied vom arroganten Smartphone miteinander zu tun hatten. In Martinas eigentlich angekündigtem Programm "Ich weiß von nix" greifen die dazu gehörigen Elemente recht gut ineinander, im "Bosco" blieben sie neben den Splittern aus anderen Programmen eher zusammenhangloses Stückwerk. So wurden Künstler und Publikum im Laufe des Abends einander ein wenig fremd, und das war schade. Das Homer'sche Schluss-Inferno, im Grunde eine schön radikale Verarschung künstlerischer Verstiegenheit, erinnerte an einen Kino-Spot der "SZ" vor einigen Jahren oder auch an Hape Kerkelings "Hurrtz!"-Sketch. Doch viele Gautinger waren zu diesem Zeitpunkt leider schon nicht mehr aufnahmebereit und wollten nur noch heim. Zu viel Frau? 

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www.martina-ottmann.de

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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