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Matthias Tretter: NachgeTrettert

Wenn ein Kabarettist wie Matthias Tretter einen Tag nach dem Weltuntergang noch Jahresrückblick halten kann, dann dürfte das Jahr nicht so ganz schlecht gewesen sein: „Nachge-TRETTERt“ war diese Rückschau betitelt, die einige hübsche Revanche-Fouls in der Abrechnung hatte.

Tretter, Sprachverdichter im besten Sinne, arbeitete in seiner Schadensbilanz sämtliche Havarien des Jahrgangs 2012 ab, von der gestrandeten „Costa Concordia“ bis zu jenem wenig bundespräsidialen Herrn, dem wir das Wort „wulffen“ zu verdanken haben – die Umschreibung für das Volljammern von Anrufbeantwortern. Tretters Qualität ist es, all die aneinander zu reihenden Peinlichkeiten des Jahres noch ein wenig mehr ins Absurde zu steigern (wenn das überhaupt noch geht):

Aus dem quälenden Tauziehen um Steuerflüchtlinge macht er den schönen Satz, dass „die Schweiz inzwischen mehr CDs verkauft als DJ Bobo“; aus Magen-Darm-Erkrankungen in Kindergärten nach dem Verzehr chinesischer Erdbeeren destilliert er die Feststellung, wonach dieses Obst in der chinesischen Küche gar keine Rolle spiele:„Die züchten das bloß, um Viren außer Landes zu schaffen.“ Tretters Blick auf die Welt ist der des politischen Kabaretts, sparsam garniert mit Comedy-Elementen. Angela Merkel hat er nicht nur ziemlich gut drauf – der in Würzburg aufgewachsene Wahl-Leipziger kann sogar deren nach unten weisende Lippenstellung erklären: „Protestantische Schwermut, der so genannte Luther-Flunsch.“ Auch Joachim Gauck, so die genaue Beobachtung, „guckt nicht, der gauckt!“ Im Übrigen sei der Wulff-Nachfolger „der erste Mecklenburger seit fünf Jahren, der einen Job bekommen hat. Soziale Bestandsaufnahme, so mal eben nebenbei: Tretter schaut den Größen dieser Welt aufs Maul und auf die Gangart, lüftet das Geheimnis des Obama-Walk, die „federnde Hipster-Wippe“. Macht Bewegungsabläufe gekonnt nach, grimassiert auch, kehrt dann aber wieder zur scharfen Analyse zurück. Ein parodistisches „Israel-Gedicht“ hat er im Gepäck und führt mal eben vor, wie Günther Grass es mit so was heuer auf alle Feuilleton-Seiten geschafft hatte.

Mediale Mechanismen sind genauso Tretters Thema wie die ewig „schuldigen“ Griechen, für die er inzwischen eine Art Phrasenschwein in Form eines Marmeladen-Glases füttert – und jeder „Hellenen-Brüller“ kostet was: „Neulich wurde bei Schäuble eingebrochen. Sicher von Griechen – im Kühlschrank war der Ouzu leer!“ Macht 1 Euro. Bei Matthias Tretter feiern immer wieder Sprache und Sprachgebärden ihre Triumphe: Der Kapitän der schiffbrüchigen „Costa Concordia“ könnte zum Beispiel gesagt haben: „Iss ´abe gar keine Auto, iss kommä mit dä Ssiff vorbei!“ Solche „italienischen Momente im Leben“ begeistern Tretters Fans auch in Etterschlag.

2012 war kabarettistisch gesehen ein gutes, ein „dankbares“ Jahr. Auch für „Monis Brettl“ im Alten Wirt – um es mit Tretter à la Merkel in der Schlussansprache ausdrücken: „Lasset uns inne halten...“

www.mathiastretter.de

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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