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Mit dem Florett gegen Sprachstutzer: Max Uthoff will "Oben bleiben" im bosco

"Oben bleiben" - mit seinem aktuellen Programm gastierte der Münchner Kabarettist Max Uthoff im Gautinger bosco und unternahm einen satirisch-bösen Streifzug durchs politische Tagesgeschehen, das spätestens seit der vergangenen Bundestagswahl wieder reichlich Zündstoff bietet.

Was ist das Besondere an Max Uthoff? Wie macht er das: ein doch auch im Kabarett-Abonnement eher heterogenes Publikum bei der Pointe auf den Punkt zu bringen? Auf einen, seinen Atem, auf dem sich lachen lässt? Er hat im Lauf dieses Freitagabends im bosco gewiss jedem einmal die Schadensfreude am satirischen Gehalt der anderen und einmal das im Lachen steckende Erschrecken über die eigenen – auch politischen – Vorlieben herausgekitzelt. Hat mit seinen geschliffenen Sätzen und messerscharf auf den Punkt gebrachten Beobachtungen jedem das Lachen zu einem überraschten  Aufmerken gewendet. Wie macht der das?

Vielleicht ist es sein Auftreten. Gekleidet in einen wirklich ausgezeichnet sitzenden schwarzen Anzug, zum weißen Hemd eine schwarze Krawatte, wirkt er fast rührend altmodisch, ein bisschen wie ein Showmaster aus den Kinderjahren des Fernsehens. Zugleich besitzt er gerade damit eine große Eleganz und eine verwirrende Ähnlichkeit mit Menschen, die ein allgemein als seriös geltendes Amt bekleiden. Die Verwirrung besitzt Methode: gerade in der Diskrepanz zwischen den Rollen „Lieblings-Schwiegersohn“ und „Sprachbombenleger“ schöpft Max Uthoff sein kabarettistisches Potential. Hier fängt die Lunte seiner unaufhaltsam auf die Explosion zulaufenden Nummern ihre Funken. Und während der Zündstoff hochgeht, tänzelt der Wortgewaltige mit der Eleganz eines Florettfechters über dem Brandherd, als wolle er vorführen, dass er noch ganz andere Waffen beherrscht.

Mit dem Programm „Oben bleiben“ ist Max Uthoff seit zwei Jahren unterwegs. Zwei goldene Jahre für das Kabarett. Neuestes Futter boten ihm die erst ein paar Wochen alten Wahlergebnisse auf Bundes- und Landesebene, so dass er eine pastorale Grabrede auf die FDP anstimmen konnte – „das Auffangbecken für moralisch Halbseidene“ – und  Horst Seehofers „Ideen-Tourette“ auf das poetische Gehalt abklopfen konnte. Angela Merkels aus ihren zehn Fingern gebildete Nabelraute deutete er als Unterwerfungsgeste gegenüber der CSU und ihrem weiß-blauen Logo und warf einen Blick auf die europäische Außenwirkung der „Kaltmamsell der deutschen Wirtschaft“.

Doch auch anderes politisches Tagesgeschehen der letzten Wochen floss in das Programm ein: die NSA-Affäre – „Wie groß kann das Bedürfnis nach Datenschutz sein in einem Land, das Ronald Pofalla zum Obersten Aufseher vom Bundesnachrichtendienst und Geheimdienstkoordination macht?“ – ebenso wie der NSU-Prozess und der fragwürdige Auftritt der Mutter von Uwe Böhnhardt. Hier schaut und vor allem hört ein Künstler ganz genau hin, wenn Scheinheiligkeit, Verlogenheit und Machtmissbrauch sich klammheimlich breit machen. Viele seiner Beobachtungen muss er nur nennen, damit dieselben in ihrer Scheinheiligkeit sich selbst entlarven. Das tun viele Kollegen so. Das Besondere an Max Uthoff ist, dass er mit Sprache umzugehen weiß. So ist er in der Lage, sprachliche Unzulänglichkeiten, die auf der politischen Bühne Alltag sind, aufzuspießen und bloßzulegen. Gleichzeitig sind seine eigenen Sätze, häufig im raren Imperfekt gesprochen, von gleicher Eleganz wie sein Äußeres. Sie stellen die Messlatte dar, an der jedweder Politikjargon scheitern muss. Muss? Ach, nähmen sich doch jene, denen per Mandat die Redefreiheit vor Publikum gewährt ist, ein Beispiel an Künstlern wie Max Uthoff. Vielleicht kehrte dann der Geist wieder ein im Parlament.

 

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www.maxuthoff.de

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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