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Monuments Men: Bildmächtiger Hollywood-Kitsch

Hat nun der Film von George Clooney die Diskussion um Cornelius Gurlitt befeuert oder war es eher umgekehrt? Der Schwabinger Kunstfund sozusagen eine PR-Maßnahme für den Film, genau zum richtigen Zeitpunkt? Jedenfalls ist das Thema Raubkunst derzeit omnipräsent. Und schon allein deshalb kann man „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“ nicht einfach als knallige Hollywood-Räuberpistole betrachten.  

Immerhin erhebt der Film den Anspruch, „based on a true story“ zu sein. Ein Geschichtsfilm ist er deshalb aber noch lange nicht: Die „wahre Geschichte“, die ihm zugrunde liegt, ist das Buch von Robert Edsel, das aber eben auch schon eine subjektive Deutung der historischen Umstände und eine Verkürzung des höchst komplexen Themas ist. Wahr an diesem Film ist eigentlich nur die Tatsache, dass es am Ende des Zweiten Weltkriegs tatsächlich eine „Monuments, Fine Arts, and Archives Section" (MFA&A) gegeben hat, eine von den USA entsandte Task-Force zur Sicherung von Kunstwerken, künstlerischen und historischen Denkmälern und Archiven in Europa. Insgesamt haben 350 Fachleute, die sogenannten „Monuments Men“, knapp fünf Millionen Kunstobjekte identifiziert und den rechtmäßigen Besitzern in ganz Europa zugeordnet, den Großteil ihrer Arbeit verrichteten sie erst nach Kriegsende.

George Clooney aber, der in diesem Film nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Regisseur ist, verkürzt das Ganze holzschnittartig zur Gangster-Kriegs-Komödie – ein bisschen Indiana Jones, ein bisschen Asterix und Obelix und eine ganze Menge Ocean’s Eleven – allerdings auch mit zugegebenermaßen herausragend guter Besetzung: Zu seiner siebenköpfigen Truppe gehören zum Beispiel Bill Murray, John Goodman und Matt Damon. Eigentlich sind sie Kunsthistoriker, arbeiten in Museen und Archiven. Jetzt werden sie für den Spezialauftrag angeworben, kurzes Trainingslager, Bewaffnung und Ausrüstung, ab nach Europa, die Welt vor dem Bösen retten. Es gilt, Schwierigkeiten zu meistern, Verluste zu verkraften – am Ende aber ist die Mission erfüllt.

Nun könnte man sich ja einfach über diese sieben Freunde in Uniformen freuen, die im Jeep durchs zerbombte Europa rasen und in einem Wettlauf gegen Hitlers „Nero-Befehl“ und gegen die heranrückenden – ebenfalls bösen – Russen Michelangelos Brügger Madonna und den Genter Altar retten und dabei auch noch schräge Witze machen, etwa, wenn einer von ihnen auf eine Mine tritt. Ein lustiger Action-Thriller also? Dafür gibt es in diesem Film erstens zu wenig Action,  zweitens zu wenig Spannung und drittens zu wenig Lustiges.

Das eigentliche Problem an diesem Film aber ist, dass er sich nicht entscheiden kann, ob er Fiktion ist oder geschichtliche Fakten darstellen will: Den Kunsthistoriker Stokes, den Clooney spielt, hat es nie gegeben. Das Vorbild für die Rolle ist George Leslie Stout. Cate Blanchett spielt Rose Valland, die Kuratorin am Pariser Jeu de Paume, die mit ihren akribischen Aufzeichnungen zum Kunstraub der Nazis die Arbeit der Monuments Men unterstützte. Im Film heißt sie aber Claire Simon. Andere – scheinbar historische – Figuren aber sind komplett erfunden. Einige Szenen stellen geradezu akribisch die historischen Aufnahmen nach, die man im Abspann des Film sieht. Andere kann es aber so nie gegeben haben. Kaum jemand wird nach dem Kinobesuch nachrecherchieren, wie es wirklich gewesen ist. Und so brennt sich nun bildmächtiger Hollywood-Kitsch als geschichtliche Wahrheit ein.

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"The Monuments Men" läuft noch mindestens bis 5. März im Kino Breitwand in Starnberg. 

 

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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