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Offspace in Gilching: Bert Praxenthaler und Arnold Holzknecht stellen bei Limelight aus

Nach der Baustelle, hinter dem Baumarkt, neben der Lagerhalle und zwischen den Lastwagen, am Wachhund vorbei und rein in die Kunstausstellung: Im Gilchinger „Gewerbegebiet Süd“ würde man wohl eher nicht nach Kunst suchen, schon gar nicht nach so hochkarätiger Kunst, wie sie derzeit in den Räumen der Firma Limelight in der Zeppelinstraße zu sehen ist: Bis Mitte Dezember sind dort mit Bert Praxenthaler und Arnold Holzknecht zwei ebenso ungewöhnliche wie unterschiedliche bildhauerische Positionen vertreten.

Firmenchef Carl Hecker, der normalerweise die Technik für Veranstaltungen anderer Leute organisiert, lädt einmal im Jahr Kunden und Freunde zu einem rauschenden Vernissagenfest ein, danach lässt er sich zwei Monate von zeitgenössischer Kunst bei der Arbeit anregen. Von der anregenden Wirkung profitieren auch seine Mitarbeiter, davon ist er überzeugt – „auch wenn sie es selber gar nicht wissen“.

Bert Praxenthaler studierte nach seiner Ausbildung zum Holzbildhauer in München Kunstgeschichte, Philosophie und Geschichte. Als Restaurator ist er ein profilierter Spezialist für Skulptur in der Denkmalpflege und war unter anderem in Afghanistan an der Bergung der Buddhas von Bamiyan beteiligt, die 2001 von den Taliban zerstört worden waren. Die meisterhafte Beherrschung handwerklicher Techniken sticht bei seiner bildhauerischen Arbeit ins Auge: Die beiden eiförmigen Objekte, die er in Gliching zeigt, haben makellose Polierweißoberflächen, die an der Wand montierten Sterne sind aufwendig blattversilbert, einige sogar mit Lüstrierung. Sein kleinformatiger „Altar“ ist eine Reminiszenz an gotische Klappretabel mit ihrem Werktags- und Festtagsbildprogramm. Während jedoch dieser Altar mit der abstrahierten Muttergottes in seinem Inneren die Darstellungskonventionen immerhin zitiert, so haben die anderen Skulpturen in den glatten und glänzenden Oberflächen verstörende Einschusslöcher und Brandspuren, Verletzungen und erschreckende Wunden. In ihren ausgehöhlten Körpern offenbaren sie dunkles und zerfressenes Gewebe, als blicke man auf Eingeweide und Geschwüre.

Auch der Südtiroler Arnold Holzknecht, der Bildhauerei an den Akademien in Florenz und München studierte, beherrscht sein Material meisterhaft. Für seine reduzierten Arbeiten verwendet er Holzplatten, etwa aus Lindenholz, in deren Oberfläche er reliefartige Strukturen schnitzt. Gleichwohl entstehen skulpturale Objekte, die sich je nach Lichtsituation verändern und wegen der sorgfältigen Bearbeitung und Gestaltung der seitlichen Kanten enorm räumlich wirken. Es sind stille, beinahe meditativ wirkende Werke zwischen Tafelbild und Skulptur, die nicht nur von virtuoser Technik, sondern auch von liebevoller Hinwendung zum Holz zeugen. Sie kommen ohne große Geste aus und bestechen nicht zuletzt durch ihre Materialgerechtigkeit. „Es ist was es ist“ heißt eine seiner Skulpturen: Aus einem schlanken Stamm wurde ein schlanker Stamm geschnitzt, auf dem ein zweiter, aber deutlich kleinerer schlanker Stamm zu stehen scheint. Es versteht sich von selbst, dass hier nichts gestückelt,  sondern aus einem einzigen Werkstück gearbeitet wurde.

Die Ausstellung ist noch bis zum 14.12.2012 in den Räumen der Firma Limelight, Zeppelinstraße 8 in Gliching, jeweils Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, zu sehen.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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