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Paradies Hoffnung: von der Unmöglichkeit der Liebe

Nun also der dritte Teil der österreichischen Paradies-Trilogie - „Paradies: Hoffnung“ von Ulrich Seidl nimmt sich einer vermeintlich unmöglichen Beziehung zwischen einem Ernährungsarzt und einer 13-jährigen Diät-Camp-Schülerin an - eine kaum abgespeckte Gratwanderung.

Die deutlich übergewichtige Melanie muss ihre Sommerferien in einer alptraumartigen Institution verbringen, um abzunehmen – ihre Mutter ist derweil in Kenia als Sex-Touristin unterwegs (Siehe „Paradies: Liebe“ des gleichen Regisseurs), ihre fanatisch-katholische Tante Anna Maria (Maria Hofstätter aus „Paradies: Glaube“) hat das pubertierende Mädchen im „Diät-Camp“ abgeliefert. Doch statt dort unter dem paramilitärischen Drill des reichlich merkwürdigen Personals Pfunde zu verlieren, lädt sich Melanie (Melanie Lenz) auch noch eine unheilvolle Seelenlast auf: Sie verguckt sich in den wesentlich älteren, dafür brustbehaarten Diätarzt (Joseph Lorenz), der sich mit dem Mädel auf seltsame Doktor-Spiele einlässt, die erst knapp vor der Strafbarkeit halt machen.

Filmemacher Ulrich Seidl wurde bereits bescheinigt, er werfe bei seiner (ursprünglich auf nur einen Handlungsstrang angelegten) "Paradies"-Trilogie immer wieder einen „mitleidlosen Blick auf scheiternde Menschen“ - doch dies ist wohl ein Missverständnis: Sowohl Melanie in ihrer hilflosen Verliebtheit als auch der „Herr Doktor“ werden nämlich als Personen gezeigt, die ihre Würde letztlich bewahren und doch zumindest ihre gegenseitige Zuneigung ein Stück weit austragen dürfen – eben bis zu jener Grenze, die das Strafgesetzbuch und die geltende Moral in diesem Film unausgesprochen und doch spürbar setzen: Wer diesen gewiss analytischen Blick  als „mitleidlos“ bezeichnet, hat vielleicht übersehen, dass Seidl zugleich mit einem gewissen Humanismus zu Werke gegangen ist. Nichts Menschliches sollte uns fremd sein, so die Ansage, und wer da sei ohne Schuld, der werfe den ersten Stein. Hier und in den beiden anderen Teilen der Trilogie wird kein Urteil, keine Verurteilung der handelnden Personen vorweg genommen – der Betrachter ist selbst gefragt, und das ist die beachtliche dokumentarisch-objektivierende Leistung auch bei „Paradies: Hoffnung“.

Paradies: Hoffnung“ läuft bis 29.Mai täglich im Breitwand-Kino Seefeld (Lounge).

 

Die Website zur Trilogie: paradies-trilogie.at

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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