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Randvoller Saal: Andreas Rebers im Seefelder Sudhaus

Man muss ihn einfach mögen, weil er sich eben nicht anbiedert: Wenn ein vielfach ausgezeichneter Kabarettist wie Andreas Rebers die „Vorpremiere“ seines neuen Programms im Sudhaus Schloss Seefeld abhält, ist das auch eine Würdigung des dortigen Kulturangebots. Beim Start in die Herbstsaison am Donnerstag saßen die Leute im randvollen Saal bis unmittelbar neben der Bühne, denn Rebers war hier von früheren Auftritten noch in bester Erinnerung.

„Rebers muss man mögen“ heißt der zutreffende Titel seiner eigenwilligen Weltschau, und auch jetzt enttäuschte der in Braunschweig aufgewachsene Wahlmünchner mit schlesischen Wurzeln kein bisschen – im Gegenteil: Seine Mischung aus dem bereits bekannten pseudo-religiösem Kanzel-Ton („Weib, lass ab vom Scharren!“), kauzigen Liedern und poetischer Subversion trieb das Publikum am Ende dazu, sich zwei Zugaben zu erklatschen. Dabei hatte Rebers diesmal das Schifferklavier weggelassen, das ihn sonst so hanseatisch wirken lässt, und stattdessen ein Keyboard Marke „Walldorf“ aufgebaut – der Nonkonformist Jahrgang ´58 ist sich dafür treu geblieben, wenn es um politische Unkorrektheit geht: Behelmte Radfahrer mit Telekom-Shirt gehören zu seinen Lieblingsfeindbildern, und Grüne „wollen nur, dass wir gesünder sterben“. Betulichkeiten und Gutmenschentum sind ihm ein Gräuel, die Nachbarin namens „Hammer, geschiedene Sichel“ und ihr Hammer-Kind aus dem Holzkindergarten sowieso, aber auch Angela Merkels inhaltliche Profillosigkeit, die ihr in Afrika angeblich den Beinamen „Mutter Mugabe“ eingetragen hat.

Gleichwohl wird die Tagespolitik bei Rebers immer nur gestreift oder in einen größeren, weltanschaulichen Zusammenhang gestellt: Dann entwirft der heuer mit dem Bayerischen Musikkabarett-Preis gewürdigte Künstler eine ganz eigene Gegenwelt, die offenbar im Schlesischen wurzelnde Glaubensgemeinschaft der "Bitocken"  (Schreibweise ohne Gewähr), deren Hauptsakralstätte der „große Mompel“ ist – harmlos sektiererisch bis „ballaballa“ ist das, aber fantasievoll ausgeschmückt wird diese krude Gemeinschaft, und Andreas Rebers beschreibt sie im allerschönsten Ernst des Eiferers. Und eine Stiftung zur Förderung von Hausmeister-Talenten hat er natürlich auch schon gegründet: Im 20-minütigen „Grundstudium“ muss man nur vier Sätze erlernen.

Man könnte diesem freien Radikalen ewig zuhören bei seinen programmatischen Ausflügen, sie summieren sich letztlich zu einer recht robusten Geisteshaltung, einem „Angebot“ in unsicherer Zeit. Nicht zufällig zieht sich Rebers immer wieder in den geschützten Raum seiner Kindheit zurück, stellt in einer Kurzgeschichte die „Luftschlacht von England“ nach und mit einem Spielzeug-Drachen (Merkel) und einem „roten Ritter“ (SPD?) später die Koalitionsverhandlungen. Natürlich hantiert er auch mit Abgründigkeiten und Parolen der groben Vereinfachung, aber das unterscheidet ihn eben von den letztlich auf Konsens abzielenden Kollegen: „Rebers muss man mögen“, oder eben nicht.

www.andreasrebers.de

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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