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Rote Posaune auf grüner Insel - Nils Landgren auf der Roseninsel

Was für eine zarte, verletzliche, ja beinahe brüchige und doch unbeschreiblich schöne Stimme: Es ist ein Märchen, das Nils Landgren für die knapp 200 Konzertbesucher singt, die einen der begehrten weißen Plastikstühle auf der Wiese vor dem Casino auf der Roseninsel ergattert haben. Er singt: „The greatest thing I’ve ever learned is to love and to be loved in return.“ Dann ist eigentlich alles gesagt an diesem Abend, leise möchte man die Insel verlassen, die singenden Vögel, die rauschenden Bäume, den plätschernden See.

Man hätte meinen können, der Mann mit der roten Posaune und seine beiden Mitspieler, Lars Danielsson am Kontrabass und Christopher Deli am Vibraphon, wollten die Natur an diesem Sommersonntagabend nicht stören, so leise und so unaufgeregt klang ihre Musik. Die Natur bedankte sich in Gestalt von schnatternden Gänsen als Percussiontruppe im Gebüsch und von singenden Vögeln als Background-Chor. „Die Tiere spielen mit“, sagte denn auch Nils Landgren, „genau so haben wir das gewollt“. Das Rauschen und Rascheln des Windes im Laub wurde ebenso Teil der Performance wie die letzten Strahlen der Abendsonne als effektvolle Light Show, selbst das entfernte Knattern eines Hubschraubers fügte sich harmonisch in das musikalische Geschehen ein.

Es war ein Konzert, das in jeder Hinsicht einzigartig und unwiederholbar war: Die sachte und unendlich melodieverliebte, gleichzeitig minimalistische und in höchstem Maß experimentelle Musik entstand aus dem Augenblick und aus dem Miteinander der drei souveränen Musiker. Christopher Deli schien auf seinem und vor seinem Vibraphon zu tanzen, sein ganzer Körper wurde Teil des Instruments, das er mit vier Schlegeln gleichzeitig bespielte. Und doch lagen in dieser Virtuosität eine filigrane Leichtigkeit und eine feinsinnige Zurückhaltung. Geistreich und geschmeidig brachte Lars Danielsson seine Bass zum Klingen, höchst konzentriert und sensibel, voller Spielfreude und Witz, dabei völlig unangestrengt reagierte er auf seine Mitakteure, antwortete, konterte, trieb sie ohne Effekthascherei voran. Und dann Nils Landgren selbst: So bescheiden und freundlich der Star in seinem Auftreten ist, so großartig, so subtil, so still ist sein Posaunenspiel. Ein Singen, ein rauhes Streicheln, ein zartes Hauchen manchmal nur. Kleine Melodiegespinste zaubert Landgren aus seinem Instrument, zuweilen nur wenige Töne. Und doch öffnet er weite und große Räume mit dieser Musik des Weglassens, liegt die Fülle eines ganzen Orchesters in diesem Minimalismus.


a href="/sites/default/files/wp/2012/08/Landgren-Roseninsel-kw5-06.jpg"> Bernhard Sontheim und das Team von Jazz am See

Man darf den Hut ziehen vor Bernhard Sontheim, dem Vorsitzenden des Vereins Jazz am See: Wieder einmal ist es ihm gelungen, einen großen Musiker ins kleine Feldafing zu holen. Und man darf ihm die Daumen drücken, dass es ihm tatsächlich gelingt, zusammen mit den Jazz-Veranstaltern rund um den See im kommenden Jahr ein Festival auf diesem Niveau zu stemmen.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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