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Schuld – Wiedervorlage der Akte Jesus

Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar – also auch ein Wiederaufnahmeverfahren in Sachen „Jesus von Nazareth? So etwas wäre womöglich genau das Richtige, um den unablässig auflodernden Brandherd dieser gerade explodierenden Welt ein für alle Mal zu löschen:

Die Journalistin, Regisseurin und Theater-Autorin Katalin Fischer aus Dießen hat sich den Fall in „SCHULD – Wiedervorlage der Akte Jesus“ noch einmal vorgenommen, die Uraufführung des dramatisierten Indizien-Prozesses war am Donnerstagabend im „Sommerkeller“ zu erleben.
Für die Wahrheitsfindung hat Fischer ein „hohes Gericht“ auf der Bühne ihres Stückes aufmarschieren lassen, hat Evangelisten und mögliche Verantwortliche von vor 2000 Jahren nochmals in den Zeugenstand gerufen. Hat Bibelstellen zitiert, lässt frühe Geschichtsklitterer und Forscher der Neuzeit zu Wort kommen. Interpretationen, Mythen, Tatsachen und Halbwahrheiten, politisch motivierte Deutungen und manipulierte Augenzeugenberichte, nachweisliche Lügen gar, sie werden allesamt gegeneinander abgewogen und einer kontroversen Betrachtung unterzogen.

„SCHULD – Wiedervorlage der Akte Jesus“ ist nicht weniger als der Versuch, mit den Mitteln des Theaters jenen Ereignissen nüchtern und spielerisch zugleich auf den Grund gehen, die bis heute (und mehr denn je) das Verhältnis der Religionen, Weltanschauungen, Völker und Kulturen zueinander bestimmen.

„Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“ - dieser im Stück zitierte Kernsatz ist offenbar auch die Triebfeder für Katalin Fischers vor allem auf Wortgenauigkeit und Plausibilität zielende Aufarbeitung: Ausgewogen lässt sie das Gericht die verschiedenen Quellen würdigen, Anklage und Verteidigung gleichermaßen leidenschaftlich zu Wort kommen, ohne auch nur eine Sekunde langatmig zu werden. Geschickt platziert Fischer neben all die Zeugenaussagen noch zwei Figuren, die als „Prozessbeobachter“ so etwas wie die „rationale Vernunft“ der Neuzeit verkörpern, doch auch diese beiden Elemente widerstreiten immer wieder, denn man kann die Vorgänge  um die  Kreuzigung Jesu durchaus „so“ oder „so“ betrachten.
Das Temperament dieser schon zwei Jahrtausende währenden wechselseitigen Schuldzuweisungen zwischen Christen und Juden, es kocht sogar noch in der „hohen Gerichtsbarkeit“ über: Dank des straff agierenden, weitestgehend textsicheren Ensembles der „Virtuellen Companie“ (bestehend aus Dettenschwangern und dem Rest der Welt) gelang es bei der Uraufführung, diese Spannung bis zum Schluss der Verhandlung zu halten: Sogar Jesus selbst verschafft sich noch einmal Gehör, indem er seinen Willen, die Menschen zu erlösen, schier unbeirrbar bekräftigt – war der Nazarener etwa ein missionarisch Verstiegener, ein den Herrschenden gefährlich gewordener früher Popstar?
Nichts ist tabu und per se heilig schon gar nichts. Würde man heute die „Akte Jesus“ aufblättern, es käme kein Schuldspruch gegen irgend jemanden mehr heraus, der den Kreuzigungstod zu verantworten hätte – es bliebe wohl nur die Idee der Erlösung durch den Tod übrig, in einem beeindruckenden Schlusstableau klagend besungen von der Stimme eines russisch-orthodoxen Geistlichen.

Die „Virtuelle Companie zeigt „SCHULD – Wiedervorlage der Akte Jesus“ von Katalin Fischer am 30.September im „Traidtkasten“ Dießen sowie am 12. und 13.Oktober nochmals im  Bernrieder „Sommerkeller“, Beginn in allen Fällen um 20 Uhr.

 

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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