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Spielend Weltklasse: Julian & Roman Wasserfuhr Quartet

"Wir können gar nicht mehr so viel", sagt Julian Wasserfuhr in seltsamer Bescheidenheit, als das Bosco-Publikum gerade mit Händen und Füßen eine zweite Zugabe einfordert: Das "Julian & Roman Wasserfuhr Quartet" hat gerade ein derart fulminantes Konzert abgeliefert, dass man einfach nicht genug kriegen kann.

In der Vorankündigung waren der Ausnahme-Trompeter Julian, sein drei Jahre älterer Bruder Roman (Flügel), Kontrabassist Benjamin Garcia und Drummer Oliver Rehmann als Hoffnungsträger des "Young German Jazz" apostrophiert worden – nun, das war eine ziemliche Untertreibung. Das aus dem oberbergischen Dorf Hückeswagen stammende Brüderpaar ist, wenn nicht alles täuscht, bereits bei der spielerischen Weltklasse angekommen – würde man aktuelle Fußball-Metaphern bemühen, könnte man allenfalls gewisse Schwächen in der Defensive ausmachen, sprich in der arg schüchternen Selbstdarstellung.

Man nehme nur eines der sogenannten epigonalen Stücke, die auch auf der neuen CD  "Running" zu finden sind – den melancholischen Klassiker "Behind Blue Eyes" von "The Who": Julian interpretiert den ohnehin nachdenklichen, ja geradezu schleppenden Refrain noch ein Stück bedächtiger, inniger und erzeugt im Zusammenspiel mit den anderen Dreien eine ganz neue Qualität. "Nobody knows what it's like / To be the bad man, to be the sad man / Behind blue eyes. . . " Ähnliches vollführen die vier Musiker an der Beatles-Nummer "Nowhere Man": Ein Destillat der Zurückgenommenheit, das dem Wesen dieses Songs auf gespenstische Weise nahe kommt. Julian Wasserfuhr hat eine für sein Alter unwahrscheinliche Reife in seinem Spiel, fußend auf überragender Technik einerseits, aber auch der Reduktion gedankt, die er wie fast jedes Mal als Verbeugung vor den Stücken vornimmt. Keine vordergründige Virtuosität, sondern ein inspiriertes Hineinhorchen in die Seele der Kompositionen ist hier zu erleben, und wenn doch mal die fantastische Technik samt aller zur Verfügung stehenden Puste gefragt ist, dann ist sie wohlbegründet und nie effekthascherisch.

All dies wäre freilich ohne die ebenbürtige Könnerschaft des gesamten Quartetts kaum denkbar: Roman nimmt jede Klaviersaite beim Wort, spielt den Ton notfalls auch mal, diese händisch "knebelnd", ohne Schwingung. Und wenn sich Julian mal raushält aus allem, kann er zusehen und zuhören, wie sein Bruder mit Garcia und Rehmann durch die vielen Eigenkompositionen tollt, jeder mit jedem allzeit auf Augenhöhe. Immer wieder hat Anekdotisches Einzug gehalten in die Stücke, und man darf als dankbarer Zuhörer frei assoziieren, wann wohl bei "Branca" damals die einst inspirierende Fernet-Flasche zur Neige gegangen ist – wie ein flüssiges Fadeout? Ihrem in vielerlei Hinsicht geschmeidigen Kontrabassisten Benjamin "Adolfo Alonso Adonis" Garcia haben sie sogar die Nummer namens "Adonis" gewidmet, weil sie ihn angeblich mal auf Schloss Elmau im Schwimmbad "von vorne" sehen durften – der "Adonis" dankte in Gauting mit einem Kussmund. Auch einem stets weinerlichen Musikschüler des Vaters haben Julian und Roman eine Komposition kredenzt: "Hilmar" hieß der arme Tropf. Es ist diese Verbindlichkeit, diese irgendwo demutsvolle, erdverbundene Nachvollziehbarkeit, die den Charme und Charakter dieses Quartetts ausmacht – oder eben "Joy & Soul", wie eines der Stücke heißt: Keine nach innen gekehrte, hermetische Musik wird hier geboten, sondern etwas Greifbares, über das man sich freut, wenn man es in verschiedenen Gangarten teilen darf. Am Ende versammelten diese "Fab Four" in der Lalo Schifrin-Komposition "Toccata" noch einmal all ihre Qualitäten und Temperamentslagen – und Julian Wasserfuhr konnte mit seinem Part sogar einem der ganz Großen das Wasser reichen: Das Stück war einmal für Dizzie Gillespie geschrieben worden...

 

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www.wasserfuhr-jazz.com

Über den Autor

Thomas Lochte (tlo)

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