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Starnberger Hefte 06: Über Fernweh und Heimweh

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen: Unter dem Titel „weit fort“ versammelt die sechste Ausgabe der „Starnberger Hefte“ Texte, die von Reiseeindrücken und von fremden Sitten, vom Fernweh und vom Heimweh handeln. Die Bandbreite reicht dabei vom Gedicht bis zum wissenschaftlichen Aufsatz. Nicht ohne Stolz präsentierte Ernst Quester, Initiator und Herausgeber der Reihe, das neue Heft mit dem Denkmal für Oskar Maria Graf auf dem Titelbild am Dienstagabend im „Café Prinzregent“ in Starnberg. 

Die „Starnberger Hefte“ sind aus dem Literaturzirkel Freies Schreiben hervorgegangen, den Ernst Quester als Deutschlehrer 1991 am Starnberger Gymnasium etabliert hatte. Auch nach seiner Pensionierung, so erklärte er am Dienstagabend, sei die Herausgabe von literarischen Textsammlungen für ihn eine Möglichkeit, „wenigstens noch gewisse Fäden“ zu ehemaligen Schülern halten zu können. Und als er von einer „Lehrer-Pensionisten-Melancholie“ sprach, da dürfte er vielleicht Anna Fee Brunner im Kopf gehabt haben: Schon als kleine rothaarige Fünftklässlerin war sie 2001 dem Literaturzirkel beigetreten und hatte Auszüge aus einem Roman vorgelesen, den sie damals zusammen mit einer Freundin schrieb. Im Laufe der Jahre hatte sie immer wieder Texte beigesteuert. Am Dienstagabend nun trat sie, der Schule längst entwachsen, als Studentin ans Lesepult und berichtete über einen Essay über „Ausländisches Essen in China“ aus soziologischer und ethnologischer Sicht, den sie für ihre Uni in England geschrieben hatte.

Florian Schwepke hingegen hatte seine amüsante „Ode an Sri Lanka“ nach einer Urlaubsreise geschrieben: Er wunderte sich dort insbesondere über die abenteuerlichen Verkehrsverhältnisse, über Unfälle und Fast-Unfälle, über Affen, Hunde, Warane und Kühe auf den Straßen, über die klapprigen dreirädrigen Tuk-Tuks und über einen Busfahrer, der sich auf den Straßen benahm „wie der Guru in einer Irrenanstalt“ und schließlich seinen Bus über den überfluteten Damm eines Stausees lenkte: „Ärgerlich war nur, dass wir unglaublich viele Einheimische beim Baden stören mussten, damit wir durchfahren konnten, aber warum baden die denn auch auf der Straße?“, schloss er seine Geschichte.

Herzstück des Heftes „weit fort“ ist aber ausgerechnet ein Text über einen Heimwehkranken: Brigitte Reihl, auch sie ehemals Lehrerin am Starnberger Gymnasium, verwaltet den Nachlass des 2010 verstorbenen „Schatzlbauern“ Paul Huber, der in Berg Nachbar der Familie Graf war. In einer Schachtel auf dem Dachboden des Schatzhofs hatten persönliche Briefe von Oskar Maria Graf aus seinem New Yorker Exil die Zeiten überdauert. Brigitte Reihl nahm nun ihren Brieffund zum Anlass, noch einmal Grafs Entwurzeltsein in der Nachkriegszeit darzustellen. Seine Zerrissenheit, seine große Sehnsucht nach der alten Heimat und seine gleichzeitige Furcht davor, ob er sich im alles verdrängenden Wirtschaftswunder-Deutschland noch zurechtfinden könnte, sind nichts Neues – sie werden aber gerade in den schlichten Briefzeilen noch einmal deutlich: Er versende nie Festtagswünsche schreibt Graf 1957 an Paul Huber, „weil es mir immer vorkommt, als hätten wir in dieser düsteren Zeit kaum noch ,Glück’ zu wünschen, wir müssen schon froh sein, wenn wir halbwegs wie bisher überleben dürfen“.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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