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Toledo: Vierter Abend der "Kulturellen Begegnungen" in Gauting

Eine Villa, vom kastilischen König Alfonso im 13. Jahrhundert im maurischen Stil restauriert, wurde zum zentralen Ort des vierten Abends der Reihe „ORIENT & OKZIDENT“. Sie erhob sich mitten im Saal des bosco, von hier aus unternahmen Gerd Holzheimer als „Reiseleiter“ und Axel Wostry als Zauberer in Sachen Zeitreise durch die Geschichten, gemeinsam mit dem Publikum ihre Exkursionen in die Stadt Toledo und deren nähere Umgebung.

Toledo ist eine Stadt, in der sich – einmal mehr – östlich und westlich geprägte Kultur begegnen. Und in der  – einmal mehr – die drei großen monotheistischen Religionen, der Islam, das Judentum und das Christentum, ihre kulturhistorischen Fußabdrücke hinterlassen haben.

Einer, der die Blütezeit des Miteinanders und deren Verblühen, deren Niedergang wie kaum ein anderer in einer Erzählung eingefangen hat, ist der Schriftsteller Lion Feuchtwanger. Sein großer historischer Roman, „Die Jüdin von Toledo“, nahm mit seinen Hauptfiguren, Alfonso, seiner Geliebten Raquel, deren Vater, dem jüdischen Kaufmann Jehuda, und vielen anderen Platz in den Gemächern der Villa Galiana und lud die Gautinger ein, ihm zu lauschen – was diese dank der zum Zuhören verführenden Lesegestaltung Axel Wostrys nur allzugern taten.

Die tragische Liebesgeschichte von Alfonso und Raquel bildet die Folie, vor der sich die Vertreibung der Mauren und Juden aus Spanien und mit dieser die radikale Umwandlung Europas in ein klar zwischen Orient und Okzident unterscheidendes Gebiet abspielen. Noch heute zeugt der maurische Stil von Häusern in Toledo und Umgebung davon, dass den spanischen Moslems hier einst eine ganz andere Wertschätzung entgegengebracht wurde. Und gegenwärtig, so zitiert Holzheimer einen Artikel aus der Tageszeitung, bemühe sich die spanische Regierung, die späten Nachfahren der während der Inquisition vertriebenen Juden in Israel wieder anzuwerben und diese  als „Rückkehrer“ auf die Spuren ihrer Ahnen nach Spanien zu holen.

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Das Fremde, die Angst vor dem Fremden, die Faszination desselben sind die Themen dieser „ORIENT & OKZIDENT“-Reise nach Toledo. Schon Feuchtwangers Alfonso bemerkt an seiner Raquel, dass diese sich immer als Fremde verhalte und gleichzeitig ihn als den wahrhaft Fremden ausgrenze aus ihrer Nähe. Die Wechselwirkung von Nähe und Distanz, von Verstehenkönnen und Irritiertsein ist es, was das Verhältnis von Orient und Okzident charakterisiert und was es womöglich so schwer macht, vertrauensvoll aufeinander zuzugehen und das Europa der Gegenwart gemeinsam zu gestalten.

Dieses Thema durchzieht auch die anderen literarischen Fundstücke aus der Region Toledo, die Erinnerungen des provokanten Filmerzählers Luis Bunuel ebenso wie die Lyrik eines Hafis oder den „Don Quijote“ des Cervantes, der in diesem Roman vorgibt, der Stoff zu demselben sei ihm in Toledo begegnet. Gerd Holzheimer hat einen ganzen Stapel an Büchern zusammengestellt, der wie erlesene Reiseliteratur den Knotenpunkt von West und Ost literarisch fixiert und auch mit den Bildern El Grecos einen Vertreter der Bildenden Kunst als Toledo-Koordinate benennt. Immer wieder aber kehren Holzheimer und Wostry zur „Jüdin von Toledo“ zurück und machen, neben dem zu Recht in diesem Buch bezogenen fixen Stand- und Ausgangspunkt, eine unbändige Lust darauf, den Roman (wieder) zu lesen.

Und nachdem die Reisegesellschaft immer größer wird, so dass die bar rosso zu klein ist und ein größeres Reisevehikel im Saal bezogen werden musste, drängt sich neben dem Eindruck, das Interesse an der Auseinandersetzung mit dem Thema der Reihe – „Kulturelle Begegnungen“ – sei ausgesprochen groß, auch die kleine Hoffnung auf, dass es doch nicht gar so schlecht bestellt ist um den Dialog auf dem west-östlichen Diwan, wie es Politiker und Medienvertreter immer hinausposaunen.

 

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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