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Vom Schreiben leben: Gespräch mit der Pöckinger Schriftstellerin Stephanie Fey

Weichenstellende Momente in der Kindheit sind ein klassisches Thema der Romangattung Thriller. Und auf diesem Feld macht sich seit ihrem Krimi-Debut „Die Gesichtslosen“ die Pöckinger  Autorin Stephanie Fey einen Namen. Jetzt ist der zweite Roman ihrer Rechtsmediziner-Serie erschienen, er trägt den Titel „Die Verstummten“ und stellt ein ebenso grausiges wie mysteriöses Bild an den Anfang: die Eltern eines jugendlichen Geisterfahrers werden tot in ihrem Bett entdeckt, in bizarrer Hochzeitstracht. Was zunächst wie ein Selbstmord aussieht, scheint das tragische Ende einer Familientragödie zu sein. Ein psychologisch raffinierter Thriller, der einmal mehr beweist, dass Spannung nicht allein an skandinavischen Schreibtischen zuhause ist. Am 11. April stellt Stephanie Fey „Die Verstummten“ in der Gemeindebücherei Pöcking vor. Sabine Zaplin sprach mit der Autorin.


Sabine Zaplin: „Die Verstummten“ ist bereits der zweite Fall, in dem die Rechtsmedizinerin Carina Kyreleis ermittelt. Wie ist die Reihe überhaupt entstanden?

Stephanie Fey: Ich habe mich immer schon gefragt: wer ist bei einem Kriminalfall außer dem ermittelnden Kommissar eigentlich noch wichtig? Wer kümmert sich beispielsweise um die Opfer? So bin ich auf den Bereich Rechtsmedizin gestoßen, der übrigens nur in Österreich „Gerichtsmedizin“ heißt. Auch „Pathologie“ ist nicht korrekt: die Pathologen untersuchen lebendige Menschen, keine Toten. Rechtsmediziner gab es, soweit mir bekannt, bisher im deutschsprachigen Krimi als Hauptperson noch nicht. Carina Kyreleis ist die erste.

S.Z.: Welchen Bezug haben Sie persönlich zum Thema Rechtsmedizin?

S.F.: Ich habe eine Zeitlang Vorlesungen in Rechtsmedizin besucht. Später stieß ich dann auf die Frankfurter Rechtsmedizinerin Constanze Niess, die auch noch Gesichtsrekonstrukteurin ist, also Totenschädel rekonstruiert, um die Identität unbekannter Toter zu klären. An dem Frankfurter Institut, an dem sie arbeitet, wurde übrigens  Alfred Herrhausen obduziert, der ja in „Die Gesichtslosen“ eine Rolle spielt. Mich selber interessiert daran die Frage, wie es zu den Attentaten der sogenannten Dritten Generation der RAF kam und ob es diese Dritte Generation als solche überhaupt gab.

S.Z.: Wie arbeiten Sie? Wie gehen Sie vor bei der Entwicklung eines Thriller-Stoffes?

S.F.: In der Regel arbeite ich in der Phase des Plottens, des Erstellens des Plots, gern mit meinem Mann Thomas zusammen. Wir überlegen gemeinsam den Verlauf der Geschichte, wer der Täter sein könnte, welche Figuren noch eine Rolle spielen sollen. Bei „Die Verstummten“ war der Auslöser eine Radiomeldung, die mein Mann in seiner Schreinerwerkstatt hörte. Darin ging es um einen Geisterfahrer, der offenbar zuvor seine Eltern getötet und dann in Selbstmordabsicht die falsche Richtung auf der Autobahn genommen hat. Wir haben uns dann überlegt, was wäre, wenn der Auslöser für die Geisterfahrt nicht eine Selbstmordabsicht gewesen wäre, sondern eine Flucht. Und so plotten wir weiter, mal am Küchentisch, mal auf dem Sofa.

S.Z.: Sie sind mittlerweile ausschließlich schreibend tätig. Wie gelingt es einer Autorin, im teuren Landkreis Starnberg vom Schreiben leben zu können?

S.F.: Offensichtlich habe ich mit meiner Schreibart bei den Verlagen einen Nerv getroffen. Ich bin mittlerweile bei mehreren Verlagen unter Vertrag und muss also „liefern“. Das bedeutet, dass ich tatsächlich auch nichts anderes mehr nebenher machen kann. Glücklicherweise kann ich die Schreibzeit mit den Honorarvorschüssen finanzieren, hinzu kommen Honorare der verschiedenen Lesungen.

S.Z.: Vor wenigen Jahren erschien Ihr Debut-Roman „Das Gedächtnis der Lüge“, unter dem Pseudonym Rebecca Abe. Warum haben Sie unter einem Pseudonym veröffentlicht?

S.F.: Vor dem Schreiben war ich als Illustratorin tätig, und Rebecca Abe ist tatsächlich mein Illustratoren-Pseudonym. Da habe ich, als ich meinen Roman veröffentlichte, logischerweise diesen Namen verwendet. Aber auch Stephanie Fey ist ein Pseudonym, das heißt, Stephanie ist mein richtiger Vorname, aber Fey habe ich als Pseudonym gewählt zu Ehren Karl Valentins, dessen richtiger Name ja Valentin Fey lautete. Unter dem Namen Stephanie Fey erscheinen meine Thriller. Demnächst wird ein Regionalkrimi bei Rowohlt erscheinen, wieder unter einem anderen Pseudonym. Ich möchte meine Leser nicht verprellen: die Leser historischer Romane greifen nicht unbedingt zum Thriller, und umgekehrt. Außerdem macht es mir Spaß, die Rollen zu wechseln.

S.Z.: Arbeiten Sie denn noch als Illustratorin?

S.F.: Momentan nicht. Aber manchmal illustriere ich meine eigenen Romane. Bei dem Regionalkrimi, der übrigens in Pöcking spielen wird, werde ich Vignetten und einen Ortsplan von Pöcking beisteuern. Und bei der Schreibarbeit mache ich mir gerne mal Skizzen von meinen Figuren, um sie plastisch vor Augen zu haben. Einmal hat ein Kulturredakteur mich bei einer Diskussion vorgestellt mit den Worten, ich würde in Bildern schreiben und man würde meinem Schreibstil anmerken, dass ich auch Malerin bin.

S.Z.: Woran arbeiten Sie derzeit?

S.F.: Am dritten Teil der Carina-Kyreleis-Reihe, der im Herbst 2014 erscheinen wird. Darin verfolge ich die RAF-Geschichte weiter, der Hintergrund werden die Ereignisse in Bad Kleinen im Jahr 1993 sein, wo ein Kapitel dieser Geschichte ja bekanntlich zuende ging. Bei mir geht es weiter.

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www.stephanie-fey.de

Über den Autor

Sabine Zaplin (sz)

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