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Wolf Euba – Was bleibt, ist seine Stimme

Die „Stimme des BR“, der „Generalbass im bayerischen Äther“, wie ihn Gerd Holzheimer einmal nannte, ist für immer verstummt. Am 24. Januar ist Wolf Euba im Alter von 78 Jahren plötzlich und unerwartet gestorben. Im Fünfseenland war Wolf Euba mehr als „Stimme“, er war der Großmeister der literarischen Lesung, ja, das Sinnbild des Kulturlebens in der Region.

Er habe „von nix eine Ahnung gehabt und sich alles zusammengelesen“, sagte Wolf Euba über sich selbst, als ich ihn vor der Verleihung des Pocci-Preises im Jahr 2008 interviewte. Nach dem Lehramtsstudium für Englisch und Französisch hatte er „die Schule fluchtartig wieder verlassen“. Als Lehrer hielt er sich für „unfähig“. Vorsorglich hatte er schon während des Studiums Schauspielunterricht genommen und zeitgleich mit dem zweiten Staatsexamen die Bühnenreifeprüfung abgelegt. Seine Ansprüche an sich selbst waren jedoch auch hier so hoch, dass er sie nicht erfüllen konnte. „Die verbale Komponente des Schauspielerberufs lag ihm näher als die physische, daher schien ihm der Rundfunk das ideale Medium für seine Gestaltungsfreude“, schrieb er sich lapidar in seine Biografie. Er habe früh erkannt, was er nicht kann, und sich innerhalb sehr enger Grenzen auf das konzentriert, was er gut kann, besser als andere.

Über ein halbes Jahrhundert lang arbeitete Euba für den Bayerischen Rundfunk, zunächst als Sprecher, dann als Regisseur und schließlich auch als Autor. Er war ein Perfektionist, in höchstem Maße professionell. Seine große Leidenschaft gehörte der Literatur. Als Rezitator fühlte sich der große Selbstzweifler auch auf der Bühne sicher, denn er verstand es wie kaum ein anderer, sein Publikum in den Bann zu ziehen. Und dabei war es beinahe gleichgültig, welche Texte er vortrug – man hätte sich von ihm auch das Telefonbuch vorlesen lassen können. Legendär war seine Lesung aus dem „Felix Krull“, legendär auch das Hörbuch mit Ludwig Thomas „Der Ruepp“ oder das mit den Texten von Oskar Maria Graf. Vor allem beim Bayerischen traf der gebürtige Nürnberger immer den richtigen Ton, die feine Nuance, die eher städtische Sprachfärbung oder das Bäurisch-Derbe.

Seine Lesungen waren großes Hörkino mit extrem sparsam, aber umso wirkungsvoller eingesetzten dramaturgischen Mitteln. Sein untrügliches Gespür für Sprache, sein Gefühl für Klang und Rhythmus, für Laut und Leise, für Tempo und Pausen machte ihn zum Virtuosen der Worte. Es machte den hochmusikalischen Sprecher aber auch zum begehrten Bühnenpartner für Musiker, allen voran für die Akkordeonistin Maria Reiter, mit der er zahlreiche Bühnenauftritte gestaltete.

Die Stimme von Wolf Euba wird bleiben: in unzähligen Rundfunkaufnahmen und auf seinen Hörbüchern. Den Menschen Wolf Euba werde ich sehr vermissen.

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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