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Schalterhalle unter Wasser: Augusta Laar, Sonja Weber und Dierk Berthel

Lautlos müht sich in dem alten Schwarz-Weiß-Schulfilm ein Flusskrebs ab und macht vor, wie es sich unter Wasser leben lässt. Den knatternden Sound dazu liefert der Projektor, der wie der Film aus den sechziger Jahren stammt. Gleich daneben liegt in einer Unterwasser-Krippe das Jesuskind – und es ist ebenfalls ein Flusskrebs. Als Hintergrund für dieses merkwürdige Szenario sind auf zwei großformatigen Keilrahmen gewebte Wasserbilder zu sehen. In der aktuellen Ausstellung der Reihe „nah – fern“ zeigen Augusta Laar, Sonja Weber und Dierk Berthel in der ehemaligen Schalterhalle des Bahnhofs in Starnberg ihre Arbeiten zum Thema „H2O“.

Wasser von unten, Wasser von oben und schließlich der Klang des Wassers: Als "Geräuschdieb" hat sich Dierk Berthel beim Plätschern des Starnberger Sees bedient, beim Schreien der Möwen, beim Quaken der Enten und natürlich auch beim Quietschen der einfahrenden S-Bahn. Für den unterfränkischen Bildhauer ist Starnberg „schon fast Italien“, er hat den Titel der Ausstellungsreihe ganz wörtlich begriffen und deshalb einen Stein zunächst ganz "nah", nämlich in seinem Heimatort Rannungen aus zwei Metern Höhe ins Wasser fallen lassen: Das Geräusch klingt in seinem "Hörbild" nach einem Waldsee, nach herber und rauher Landschaft. Diesselbe Versuchsanordnung, aber diesmal in der "Ferne" am Starnberger See: Mit einem sanften und weichen Platschen fällt der Stein hier ins Wasser, es klingt nach Weite und Sonne. Eigentlich ist Berthel  Bildhauer, seit einiger Zeit aber formt er experimentelle, dabei aber freundliche und durchaus poetische Klangskulpturen.

Sonja Weber hingegen formt ausgehend von einem Foto großformatige Bilder auf dem Webrahmen. In Starnberg zeigt die Künstlerin, die Textildesign und Malerei studierte, zwei verschiedene Motive, die vom Segelboot aus aufgenommen wurden: Eine entstand auf dem Atlantik, die andere im Mittelmeer. Je nach Breitengrad ist das Licht auf der Meeresoberfläche sehr unterschiedlich. Die Umsetzung wirkt fotorealistisch, tatsächlich aber werden die Motive gewebt, wobei die Künstlerin Wert darauf legt, jeden einzelnen Arbeitsschritt selbst zu machen. Ihre Bilder versteht sie wegen der Plastizität des Fadens als "dreidimensional", sie verändern sich erheblich, je nachdem, ob man sie frontal oder von der Seite betrachtet.

Augusta Laar aus Krailling hat in der Schalterhalle noch einmal ihre Unterwasser-Barbie-Krippen aufgebaut: Es handelt sich dabei um Acrylkästen, in denen sie sie mit Plastikspielzeug und anderen Fundstücken vom Flohmarkt die Heilige Familie neu zusammenstellt: Es gibt Patchwork-Familien, Trennungsgeschichten, Alleinerziehende, zwei Männer und ein Baby, Gewehr- und Autokrippen. Maria und Josef feiern hier eine Unterwasserhochzeit und Elvis Presley stellt in seiner eigenen Krippe unter dem Motto "Love me tender" alle Rollen selbst dar. In einem Objektkasten an der Wand feiern die Barbiepuppen einen wilden Mädelsabend und unter einem Glaswürfel macht sich eine Plastik-Krake über eine Puppe im zerschlissenen Spitzenkleidchen her – alles unter Wasser, versteht sich.

Die Ausstellung „H2O“ ist noch bis zum 18.5.2014 jeweils freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

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Augusta Laar: www.poeticarts.de
Dierk Berthel: www.dierk-berthel.de
Sonja Weber: www.sonja-weber.net
 

Über den Autor

Katja Sebald (ks)

Autorin, Journalistin und Übersetzerin, studierte in München Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur, Bayerische Kirchengeschichte und Italienische Philologie.

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